Der stationäre Handel steht seit Jahren unter Druck. Online-Shopping ist bequem, schnell und oft preisgetrieben. Doch eine neue repräsentative Umfrage des Online-Großhandelsmarktplatzes Faire, durchgeführt von YouGov, zeigt: Der Besuch der Innenstadt erfüllt für viele Menschen längst wieder eine andere Funktion. Shopping ist nicht mehr nur Mittel zum Zweck, sondern zunehmend eine soziale Aktivität.
Gerade jüngere Zielgruppen verbinden den Einkaufsbummel mit gemeinsamer Zeit. Bei den 18- bis 24-Jährigen nennen 43 Prozent ein Treffen mit Freunden als möglichen Grund für einen Trip in die Innenstadt am Wochenende. Bei den 25- bis 34-Jährigen sind es 40 Prozent. Für die jüngste Altersgruppe war eine soziale Aktivität sogar der zweithäufigste Anlass für den letzten Einkaufsbummel – direkt nach dem konkreten Bedarf an einem Produkt.
Lebendige Innenstädte bringen messbar mehr Frequenz
Für Händler, Stadtmarketing und Innenstadtentwicklung ist das eine zentrale Erkenntnis: Die City wird nicht allein durch Konsum attraktiv, sondern durch Aufenthaltsqualität, Begegnung und Entdeckung. Wird eine Innenstadt als lebendig wahrgenommen, hat das messbare wirtschaftliche Effekte. 44 Prozent der Befragten bleiben dann länger, 43 Prozent kommen häufiger wieder und 40 Prozent besuchen mehr Geschäfte.
Entscheidend ist dabei nicht in erster Linie der Preis. Zwar bleiben Preis und Convenience relevant, doch für die Attraktivität einer Innenstadt spielen andere Faktoren eine größere Rolle. 63 Prozent der Verbraucher nennen belebte Cafés und Orte zum Verweilen als wichtigen Faktor. 40 Prozent verweisen auf einzigartige, unabhängige Geschäfte. Sonderangebote und Rabatte werden nur von 30 Prozent genannt, große Marken sogar nur von 14 Prozent.
Atmosphäre, Beratung und Sortiment
Auch auf Geschäftsebene zeigt sich der Wandel deutlich. Fast die Hälfte der Befragten, 46 Prozent, besucht Läden häufiger, wenn diese eine besondere Atmosphäre schaffen – etwa durch ein stimmiges Store-Design, ein klares Konzept oder Events vor Ort. Damit wird Atmosphäre zu einem Wettbewerbsvorteil, den der Onlinehandel kaum kopieren kann.
Eine ebenso wichtige Rolle spielt der persönliche Kontakt. 42 Prozent der Befragten sagen, dass eine Beziehung zum Verkaufspersonal sie dazu bewegen würde, häufiger in ein Geschäft zurückzukehren. 21 Prozent nennen Beratung als Grund für wiederholte Besuche. 19 Prozent wären aufgrund guter Beratung sogar bereit, mehr Geld auszugeben. Mitarbeiter werden damit zu Beratern, Gastgebern und wichtigen Treibern des Kaufverhaltens der Kunden.
Auch die Sortimentsgestaltung gewinnt an Bedeutung
41 Prozent der Verbraucher besuchen Geschäfte häufiger, wenn diese Inspiration und Entdeckungen durch sorgfältig kuratierte Sortimente bieten. Bei der Loyalität liegen Preis und Einzigartigkeit der Produkte inzwischen nahezu gleichauf: Für 46 Prozent ist der Preis zentral, für 45 Prozent die Besonderheit des Sortiments. Bei jüngeren Zielgruppen zwischen 18 und 44 Jahren ist die Einzigartigkeit sogar wichtiger als der Preis.
Die Ergebnisse zeigen: Erfolgreicher stationärer Handel muss nicht allein mit Onlinepreisen konkurrieren. Viel wichtiger wird es, Orte zu schaffen, die inspirieren, Orientierung geben und echte Begegnung ermöglichen. Die Innenstadt der Zukunft ist damit weniger reine Einkaufszone als sozialer Erlebnisraum. Für unabhängige Händler liegt genau darin eine große Chance: Sie können mit Atmosphäre, persönlicher Beratung und kuratierten Sortimenten das bieten, was der Onlinehandel nicht leisten kann.
Dieser Artikel basiert auf der repräsentativen Faire-Umfrage zum Einkaufsverhalten in Innenstädten. Die Befragung wurde von YouGov zwischen dem 27. und 31. März in Deutschland und Frankreich durchgeführt. In Deutschland wurden 2045 Personen befragt; die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung ab 18 Jahren.









