Der deutsche E-Commerce hat zur Jahresmitte weiter an Dynamik gewonnen. Nach Angaben des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) stiegen die Gesamtumsätze im zweiten Quartal um 5,1 Prozent.
Im gesamten ersten Halbjahr ergab sich ein Plus von 4,3 Prozent. Der Verband wertet diese Entwicklung als Zeichen dafür, dass der Onlinehandel in einem weiterhin schwachen Konsumumfeld an Bedeutung gewinnt. Dabei verteilt sich das Wachstum sehr unterschiedlich über Branchen und Vertriebsformen.
Täglicher Bedarf und Apotheken treiben Wachstum
Besonders stark entwickelten sich Anbieter von Waren des täglichen Bedarfs mit einem Plus von 10,1 Prozent. Dazu zählen vor allem Drogeriehändler, die um 11,7 Prozent zulegten. Ebenfalls deutlich wuchsen DIY & Blumen mit 10,9 Prozent, Hobby- und Freizeitartikel mit 7,5 Prozent sowie Auto- und Motorradzubehör mit 7,6 Prozent. Spielwaren steigerten sich um 5,4 Prozent, Bürobedarf stagniert weitgehend und verzeichnet nur ein kleines Plus von 1,1 Prozent.
Versandapotheken verzeichneten mit Medikamenten seit Einführung des E-Rezepts das kräftigste Umsatzwachstum und kamen auf ein Plus von 13,9 Prozent. Auch der Modehandel, traditionell ein wichtiger Umsatzträger im Onlinegeschäft, konnte sein Wachstum von 3,6 Prozent im ersten Quartal auf 4,4 Prozent im zweiten Quartal steigern.
Schwächer entwickelten sich hingegen Unterhaltung und Einrichtung mit jeweils 2,7 Prozent Wachstum. Möbel, Lampen und Dekorationen lagen mit minus 2,1 Prozent sogar im Rückgang. Marktplätze gewinnen weiter Marktanteile
Nach Vertriebsformen profitierten erneut Online-Marktplätze besonders stark. Sie steigerten ihre Umsätze um 6,4 Prozent und kamen zur Jahresmitte auf 11,5 Milliarden Euro. Herstellerversender legten um 6,3 Prozent zu. Klassische Onlineshops wuchsen um 3,8 Prozent, Multichannel-Händler mit Ursprung im stationären Handel nur um 2,5 Prozent.
Asiatische Plattformen erhöhen den Druck
Besonders kritisch bewertet der bevh die Entwicklung asiatischer Plattformen. Temu, Shein, AliExpress und weitere Anbieter aus Asien kommen inzwischen auf 5,3 Prozent des gesamten E-Commerce-Umsatzes. Damit entfällt bereits jeder zwanzigste Euro im deutschen Onlinehandel auf diese Anbieter.
Im Online-Modehandel ist der Einfluss noch deutlicher: Dort vereinen asiatische Plattformen inzwischen mehr als 16 Prozent aller Bestellungen auf sich. Ihr Umsatzzuwachs liegt laut bevh bei mehr als 20 Prozent und damit deutlich über dem Marktdurchschnitt.
Vom neuen 3-Euro-Pauschalzoll für bestimmte Sendungen aus Drittstaaten unter 150 Euro erwartet der Verband nur geringe Wirkung. Begründet wird dies damit, dass asiatische Anbieter zunehmend eigene Logistikstrukturen in Europa aufbauen.
KI unterstützt die Produktsuche
Auch Künstliche Intelligenz spielt im Kaufprozess eine wachsende Rolle. Fast sechs Prozent der Onlinekäufer nutzten KI-Anwendungen bei der Informationssuche vor dem Kauf. In den Altersgruppen von 14 bis 29 Jahren sowie 30 bis 39 Jahren liegt der Anteil bereits bei mehr als zehn Prozent.
Eine Sonderbefragung unter 2500 Onlinekunden zeigt zugleich Zurückhaltung beim tatsächlichen Kaufabschluss: 31,2 Prozent haben schon einmal Chatbots nach Produktempfehlungen gefragt. Einer Produktempfehlung ohne weitere Suche direkt folgen würden jedoch nur 12,7 Prozent. Einen autonomen Einkauf durch KI-Agenten würden derzeit nur neun Prozent erlauben; für 68,6 Prozent ist der Zugriff auf Bezahldaten durch KI-Agenten völlig undenkbar.
In der wöchentlichen Verbraucherbefragung „Interaktiver Handel in Deutschland“ werden von Januar bis Dezember insgesamt 40.000 Privatpersonen aus Deutschland im Alter ab 14 Jahren zu ihrem Ausgabeverhalten im Online- und Versandhandel und zu ihrem Konsum von digitalen Dienstleistungen gefragt. Die Endergebnisse der Studie werden am Anfang jedes Jahres veröffentlicht. Die hier vorgestellten Zahlen basieren auf der Auswertung des Zeitraums vom 1. April bis 30. Juni 2026. Die Studie wird durch die BEYONDATA GmbH durchgeführt.







