Mit dem COVID-19-bedingten Shutdown wurden viele Unternehmen dazu gezwungen, ihre Einkaufsstrategie deutlich zu verändern. Die einst bewährten Lieferketten brechen kurzfristig weg und Engpässe müssen aktuell mit neuen Partnern überwunden werden. Dadurch rücken bei mehr als einem Fünftel (21 Prozent) der Befragten lokale, nationale und Anbieter aus den umliegenden europäischen Märkten mit kürzeren Lieferwegen wieder stärker in den Fokus.
12 Prozent vermeiden sogar aktiv die Zusammenarbeit mit Lieferanten aus den USA oder Asien. „In Krisenzeiten zählen andere Kriterien als der niedrigste Preis. Kurze und vor allem verlässliche Lieferwege, zollfreier Warenverkehr in der EU sowie eine einheitliche Währung sind plötzlich wichtiger“, erklärt Peter F. Schmid, CEO von Visable Die Bedeutung der Regionalität bei der Beschaffung variiert allerdings von Bundesland zu Bundesland: Während es für die Befragten aus NRW mit 16 Prozent nicht so wichtig ist, wo der Beschaffungsmarkt liegt, sind die Bayern mit 29 Prozent deutlich lokalverbundener und halten sich vermehrt an regionale und nationale Lieferanten. Im Norden Deutschlands setzt jedes vierte Unternehmen auf Regionalität.
Corona als Beschleuniger der Digitalisierung
Was einem Großteil der deutschen Arbeitnehmer in den letzten Wochen im Kleinen sicher schon auffiel, bestätigt nun die Umfrage von Visable. Fast die Hälfte aller Befragten (44 Prozent) gab an, dass die Krise die Digitalisierung in ihren Unternehmen voranschreiten lässt. Bei 21 Prozent davon sogar deutlich. Video-Telefonie gehört bei 49 Prozent der Befragten mittlerweile zum Arbeitsalltag. Mehr als jeder vierte (27 Prozent) nutzt jetzt in seinem Unternehmen Cloud-Systeme. Sogar eigene Online-Formate wie Webinare wurden von 17 Prozent nach Ausbruch der Pandemie kurzfristig ins Leben gerufen. Für Peter F. Schmid ist das eine unumkehrbare Entwicklung: „Ohne den zeitnahen, gezielten Einsatz von digitalen Tools müssten eine Vielzahl der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Europa um ihre Existenz fürchten. Zugespitzt bedeutet das: Nur wer digitalisiert, überlebt diese Krise.“
Marketing-Planung ohne Messen
Sinkendes Budget, weniger Messen, mehr online – so lassen sich die Umfrageergebnisse zu den geplanten Entwicklungen im Bereich Marketing zusammenfassen. Jedes fünfte Unternehmen (20 Prozent) plant für das kommende Jahr mit weniger Marketingbudget als in 2020, um entstandene Umsatzeinbußen der Krise auszugleichen. Profitieren soll in erster Linie das Online-Marketing.
43 Prozent der befragten Entscheider wollen im kommenden Jahr vermehrt auf Online-Marketing-Maßnahmen setzen. Besonders hart trifft es die Messebranche: Mehr als ein Drittel (37 Prozent) derjenigen, die bisher auf Messen vertreten waren, planen im kommenden Jahr keine Messeauftritte oder -besuche mehr. Nur 10 Prozent sehen einen Messeauftritt generell noch als wichtiges Vertriebstool.
Peter F. Schmid sieht sich durch die Ergebnisse bestätigt: „Meine Prognose: Jede vierte Messe wird es nach der Krise so nicht mehr geben. Schon vor dem Einsetzen der Corona-Krise gab es die Diskussion um die Zweckmäßigkeit von vielen Messen weltweit. In Zeiten der Digitalisierung ist es weder zeitgemäß noch ökologisch und ökonomisch sinnvoll, komplexe Güter wie Maschinen um die halbe Welt zu transportieren, um sie für eine oder zwei Wochen auf einer Leitmesse auszustellen. Auch der enorme Reiseaufwand von Ausstellern und Besuchern sowie der Einsatz von finanziellen sowie ökologischen Ressourcen steht in keinem Verhältnis zum Nutzen.“
Eine neue Option könnten virtuelle Messen werden: 22 Prozent der Befragten wollen digitale Alternativen künftig für ihr Unternehmen nutzen.







