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Yvonne Jamal und Dr. Sebastian Wieser
Yvonne Jamal, Vorstandsvorsitzende des Jaro Instituts und Dr. Sebastian Wieser, Vorstandsvorsitzender von Unite sehen Nachhaltigkeit nicht als Selbstzweck, sondern als Gemeinschaftsaufgabe, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und Verantwortung für globale Lieferketten zu übernehmen.

Leadership und Regulierung

Jaro und Unite veröffentlichen Studie zur nachhaltigen Beschaffung

Kalender Icon11. September 2025
Autor IconRedaktion

Das Jaro Institut für Nachhaltigkeit und Digitalisierung e.V. hat in Kooperation mit Unite die Studie „Nachhaltige Beschaffung und verantwortungsvolle Lieferketten 2025“ veröffentlicht. Die Ergebnisse machen deutlich: Unternehmen verankern Nachhaltigkeit zunehmend in ihren Beschaffungsprozessen. Dabei spielt Politik nur eine kleine Rolle.

Änderung des LkSG beschlossen

Das Bundeskabinett hat am 3. September 2025 das „Gesetz zur Änderung des Lieferkettensorgfalt­spflichtengesetzes – Entlastung der Unternehmen durch anwendungs- und vollzugsfreundliche Umsetzung“ beschlossen. Das Gesetz sieht vor, dass die Berichtspflicht über die Einhaltung der Sorgfaltspflichten entfällt und ein Verstoß gegen die fortgeltenden Sorgfaltspflichten nur bei schweren Verstößen sanktioniert wird. Gemäß Koalitionsvertrag gilt das nationale Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) bis zur Ablösung durch ein Gesetz, das die Europäische Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) in nationales Recht überführt. Derzeit werden auf EU-Ebene Änderungen an der CSDDD im Rahmen eines neuen Gesetzespakets verhandelt („Omnibus I-Richtlinie“), um verschiedene EU-Nachhaltigkeitsrechtsakte insgesamt zu vereinheitlichen und zu vereinfachen.

Leadership als Schlüssel – Gesetze als Treiber

Für den Erfolg der Nachhaltigen Beschaffung im Unternehmen sei aber weniger die Politik, sondern die Haltung der Unternehmensführung verantwortlich, so lautet ein Ergebnis der Studie von Jaro und Unite. Die Studie zeigt, dass 78 Prozent der Befragten ein klares Bekenntnis der Organisationsführung zur strategischen Beschaffung als wichtigsten Treiber für nachhaltige Lieferketten sehen. Erst auf Platz zwei folgen gesetzliche Regulierungen (53 Prozent), die zwar wichtige Impulse setzen, aber ohne klare Leadership oft nicht in wirksame Maßnahmen übersetzt werden. Ebenfalls entscheidend: Die Fähigkeit der Führungsebene, den Mehrwert nachhaltiger Beschaffung überzeugend zu kommunizieren (51 Prozent). Damit wird deutlich: Gesetze schaffen den Rahmen, aber Führungskräfte geben die Richtung zur nachhaltigen Beschaffung vor.

Herausforderungen auf dem Weg zur nachhaltigen Beschaffung

Neben den Fortschritten im Bereich Leadership und Regulierung zeigt die Studie auch, dass Unternehmen mit neuen Hürden konfrontiert sind. Besonders deutlich wird dies bei der Frage nach den Kosten: Zwar steigt das Wissen über nachhaltige Beschaffung, doch die Bereitschaft, dafür höhere Preise zu zahlen, nimmt spürbar ab. Nur noch 32 Prozent der Befragten sind bereit, für nachhaltige Angebote mehr zu zahlen – ein Rückgang um 12 Prozentpunkte gegenüber der Befragung im Jahr 2023. Doch die finanzielle Dimension ist nicht die einzige Barriere. Unternehmen kämpfen weiterhin mit begrenzten Ressourcen, sowohl personell als auch budgetär. Rund die Hälfte der Befragten sieht fehlendes Know-how und mangelnde interne Kapazitäten als zentrale Hindernisse.

Hinzu kommt die Komplexität regulatorischer Anforderungen, die häufig als schwer übersetzbar in die Praxis wahrgenommen wird. Auch die Einbindung von Lieferanten bleibt eine Herausforderung – insbesondere, wenn diese nicht die gleichen Nachhaltigkeitsstandards erfüllen oder sich nur zögerlich beteiligen. Diese Faktoren zeigen: Nachhaltige Beschaffung erfordert neben klarer Führung nicht nur finanzielle Spielräume, sondern auch Investitionen in Wissen, Zusammenarbeit und Ressourcen.

Stimmen aus der Studie

„Nachhaltige Beschaffung ist kein Selbstzweck. Sie trägt dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und Verantwortung für die globalen Lieferketten zu übernehmen. Dafür braucht es aber klare Vorgaben aus der Führungsetage, die das Thema strategisch verankern“, sagt Yvonne Jamal, Vorstandsvorsitzende des Jaro Instituts. „Die Ergebnisse zeigen: Die Transformation gelingt nur, wenn Organisationen ihre Verantwortung ernst nehmen und Nachhaltigkeit als festen Bestandteil ihrer Beschaffungsstrategie begreifen. Regulierung ist wichtig, aber ohne Leadership bleibt sie wirkungslos. Wir müssen Nachhaltigkeit als Gemeinschaftsaufgabe verstehen – dafür steht Unite“, so Dr. Sebastian Wieser, Vorstandsvorsitzender von Unite.

Über die Studie

Die Studie basiert auf einer Online-Befragung von über 100 Einkaufsverantwortlichen und Führungskräften aus Deutschland und Europa. Sie ist die dritte Erhebung nach 2021 und 2023 und untersucht die Dimensionen Bewusstsein, Motivation, Bewertung und Umsetzung nachhaltiger Beschaffung.

www.jaro-institut.de

www.unite.eu

Themen:Indirekte Beschaffung | Lieferkette | Nachhaltigkeit

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