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Startseite » Einkauf » Sèvre & Loire setzt auf Kreislaufwirtschaft
Der französische Gemeindeverband Sèvre & Loire verankert Nachhaltigkeit im Einkauf von Bürobedarf – mit digitalen Katalogen, klaren Kriterien und Kreislaufkonzepten.
Das Beispiel aus Sèvre & Loire zeigt, dass sich im Bereich Bürobedarf relevante Potenziale erschließen lassen, wenn Sortiment, Produktdaten, Bestellplattform, Logistik und Kreislaufkonzepte konsequent zusammengedacht werden
Bild: Isovector/iStock/Getty Images Plus

Bürobedarf im Fokus

Sèvre & Loire setzt auf Kreislaufwirtschaft

Kalender Icon22. April 2026
Autor IconRedaktion

Wie lässt sich Nachhaltigkeit in der Beschaffung so verankern, dass sie im Alltag wirksam wird? Der französische Gemeindeverband Sèvre & Loire zeigt in einer Fallstudie für die EU, wie sich Bürobedarf strategisch nutzen lässt: mit klaren Kriterien, digital gesteuerten Katalogen, gebündelter Logistik und einem konsequenten Blick auf Kreislaufwirtschaft.

Bürobedarf gehört in Verwaltungen und Unternehmen zu den regelmäßig beschafften Produktgruppen. Gerade deshalb bietet dieser Bereich gute Voraussetzungen, Nachhaltigkeit systematisch im Einkauf zu verankern. Ein aktuelles Beispiel dafür liefert die französische Communauté de communes Sèvre & Loire südöstlich von Nantes. Der interkommunale Verband nutzte die Neuvergabe eines Rahmenvertrags für Bürobedarf, kleine Büroausstattung und Papier, um ökologische Anforderungen, wirtschaftliche Beschaffung und praxistaugliche Abläufe enger miteinander zu verbinden.

Die Ausgangslage ist auch über Frankreich hinaus relevant. Elf Kommunen mit zusammen rund 50.000 Einwohnern wollten ihre gemeinsame Versorgung mit Büroartikeln neu organisieren. Statt bestehende Strukturen einfach fortzuführen, wurde die Ausschreibung genutzt, um Nachhaltigkeitsaspekte stärker in die tägliche Beschaffungspraxis einzubinden. Das europaweit veröffentlichte Verfahren hatte einen Höchstwert von 532.400 Euro und war zunächst auf zwölf Monate ab dem 1. Januar 2025 ausgelegt, mit der Option auf drei jährliche Verlängerungen bis Ende 2028.

Im Zentrum des Modells steht eine einheitliche digitale Be-stellplattform mit standardisierten Katalogen. Nachhaltige Alternativen – etwa umweltzertifizierte, recycelte oder wiederverwendbare Produkte – sind dort klar gekennzeichnet. Nachhaltige Beschaffung bleibt damit nicht auf die Vergabeunterlagen beschränkt, sondern wird direkt im operativen Einkauf sichtbar und leichter umsetzbar.

Nachhaltigkeit wird Teil des Systems

Für Anbieter ist das ein wichtiges Signal. Gefragt sind nicht nur entsprechende Produkte, sondern ebenso saubere Produktdaten, nachvollziehbare Nachweise und übersichtlich strukturierte Kataloge. Nachhaltigkeit zeigt sich in diesem Modell nicht allein im Artikel selbst, sondern auch in der Art, wie Produkte dargestellt, ausgewählt und bestellt werden können.

Zugleich bezieht der Ansatz die gesamte Leistungskette ein. In der Ausschreibung wurden unter anderem reduzierte Verpackung, gebündelte Lieferungen, recycelbare oder wiederverwendbare Verpackungsmaterialien sowie Rücknahme- und Verwertungslösungen für Verpackungen und gebrauchte Produkte berücksichtigt. Damit rücken neben dem Sortiment auch Logistik und Service stärker in den Fokus. Die Struktur des Verfahrens war entsprechend differenziert angelegt. Bürobedarf, kleinere Bürogeräte und Papier wurden in drei Losen ausgeschrieben. So ließen sich die Anforderungen gezielt auf die
jeweiligen Produktgruppen zuschneiden. Bei Papier standen zertifizierte Qualitäten, chlorfreie Herstellung und ressourceneffiziente Produktion im Vordergrund. Bei der Büroausstattung (kleine Bürogeräte) waren Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Materialqualität zentrale Kriterien. Im Bereich Bürobedarf spielten vor allem Recyclinganteile, Umweltkennzeichnungen und Rücknahmesysteme eine wichtige Rolle.

Interessant ist auch die Vorbereitung des Verfahrens. Vor der Ausschreibung führte Sèvre & Loire interne Bedarfsklärungen und Gespräche mit potenziellen Lieferanten durch. Mitarbeitende aus den Kommunen brachten ihre Praxiserfahrungen ein, während der Marktdialog half, ökologische und funktionale Anforderungen realistisch und zugleich ambitioniert zu formulieren. Das verbesserte die Umsetzbarkeit der Ausschreibung und schuf frühzeitig ein gemeinsames Verständnis auf Auftraggeber- und Anbieterseite.

Vom Zuschlag zur Weiterentwicklung

Auch in der Bewertung der Angebote wurde Nachhaltigkeit klar verankert. Der Preis blieb mit 50 Punkten ein wesentliches Kriterium. Hinzu kamen technische Qualität und – je nach Los – 15 bis 20 Punkte für Umweltaspekte. Bewertet wurden unter anderem der Anteil umweltzertifizierter und recycelter Produkte, Verpackungs- und Lieferkonzepte sowie Maßnahmen zur Kreislaufwirtschaft. Nachhaltigkeit war damit kein ergänzender Hinweis, sondern ein relevanter Bestandteil der Leistungsbewertung.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Die Bestellplattform und die visuell aufbereiteten Kataloge dienen nicht nur der Abwicklung, sondern beeinflussen auch die Auswahlpraxis. Wenn nachhaltige Alternativen klar sichtbar und ohne zusätzlichen Aufwand bestellbar sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Alltag häufiger gewählt werden. Beschaffung wird damit nicht nur formal gesteuert, sondern auch praktisch gelenkt.

Nach Angaben der Fallstudie zeigen sich bereits erste Ergebnisse. Das im Rahmenvertrag gelieferte Papier ist vollständig zertifiziert und stammt aus europäischer Produktion. Im Bereich Bürobedarf stieg der Anteil recycelter und umweltgekennzeichneter Produkte. Gleichzeitig wurden Verpackungsabfälle reduziert, Lieferwege gebündelt und Rücknahmelösungen ausgebaut. Über die Plattform lassen sich zudem Daten für Monitoring und Berichterstattung systematischer erfassen.

Wichtig ist schließlich, dass die Vereinbarung nicht statisch angelegt wurde. Regelmäßige Überprüfungstermine mit den Lieferanten ermöglichen es, Kataloge anzupassen, neue nachhaltigere Artikel aufzunehmen und weitere Verbesserungen bei Produkten, Logistik und Umweltwirkung fortlaufend umzusetzen. Nachhaltige Beschaffung wird damit als kontinuierlicher Prozess verstanden.

Das Beispiel aus Sèvre & Loire zeigt, dass sich im Bereich Bürobedarf relevante Potenziale erschließen lassen, wenn Sortiment, Produktdaten, Bestellplattform, Logistik und Kreislaufkonzepte konsequent zusammengedacht werden.

https://green-forum.ec.europa.eu, www.cc-sevreloire.fr

Themen:Kreislaufwirtschaft | Nachhaltigkeit

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