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Berit Weller Papierpoesie
Berit Weller hat sich mit ihrer Papeterie „Papierpoesie“ in Wetzlar auf erlesene Produkte mit einem klaren Schwerpunkt auf Workshops spezialisiert.

Authentische und kreative Gastgeberin

„Papierpoesie“ in Wetzlar

Kalender Icon14. Juli 2025
Autor IconRedaktion

Um die Zukunft ihres Fachgeschäfts zu sichern, entschied sich Berit Weller im Jahr 2018 dazu, die Bastlerzentrale Wetzlar aufzugeben und sich mit „Papierpoesie“ auf eine kleine Papeterie mit erlesenen Produkten und klarem Schwerpunkt auf Workshops zu spezialisieren.

Das Konzept der Hobbykurse hatte schon funktioniert, als Berit Weller im Jahr 2011 die Bastlerzentrale übernommen und das Angebot dort ins Leben gerufen hatte. Viele Faktoren wie die dortigen 125 Quadratmeter Verkaufsfläche, das Vorhalten der enormen Produktbandbreite, die Top-Lagen-Miete im Stadtzentrum und entsprechend hohe Nebenkosten setzten die Geschäftsinhaberin aber zusehends unter Druck. Und führten die diplomierte Hotelbetriebswirtin immer weiter weg von dem, was sie ursprünglich in der Kreativbranche bewegen wollte – ganz abgesehen von der eigenen Erfüllung am beruflichen Schaffen.

Als die Gedanken zur Veränderung mit einem modernen Geschäftskonzept für ein jüngeres Publikum reiften, streckte die gebürtige Berlinerin ihre Fühler aus und fand 2018 am Rand der Wetzlarer Altstadt ein kleines Ladengeschäft, um ihre neue Strategie umzusetzen. „Die Lage ist schon ruhiger, aber nun kann ich mit bezahlbaren Mieten und Ausgaben kalkulieren, sodass am Monatsende auch etwas, hängen bleibt‘ – seit der Eröffnung im Mai 2019 betreibe ich auf den 45 Quadratmetern meine kleine, feine Papeterie. Mein Fokus liegt auf hochwertigen Stempeln, Stiften, Papieren, Karten, Scrapbooking, Schreibgeräten und ausgewähltem kreativem Zubehör, das großteils auf die Workshopthemen zugeschnitten ist.“

Die jetzige Ladenfläche wirke wie ein großes Wohnzimmer. An einer langen Tafel, die pro Kurs liebevoll und mit kleinen „Goodys“ vorbereitet wird, finden bis zu zwölf Teilnehmer/-innen Platz. Links und rechts von der großen Arbeitsfläche stehen Regale mit Produkten und Schaustücken. Im hinteren Raumbereich befinden sich der Verkaufstresen und das Angebot an Schneidgeräten sowie weitere Sortimentsteile. „Der Fokus bei der raumnutzenden, cleveren Einrichtung lag von Anfang an nicht auf einer Menge an Ware, sondern auf den Kursen.“ In Fortsetzung an die Workshop-Erfolge an ihrer vorherigen Wirkungsstätte hat sich Berit Weller durch weitere Intensivierung des Kursangebots längst einen Namen gemacht. Die Ergänzung um exklusive Kreativartikel hat sich ebenfalls bewährt, denn die jüngere Kundschaft greife gern zu Produkten kleinerer Labels. Eine bewusste Entscheidung der 44-Jährigen, denn die Konditionen großer Lieferanten seien oft an hohe Mindestabnahmen geknüpft, die insbesondere bei kleinen Ladenflächen nicht umsetzbar seien. Dafür böten die Expertise von Manufakturen und Kleinbetrieben und deren ausgesuchte Produktrange die Flexibilität, auf die kleine Fachgeschäfte allein schon durch geringere Ordermengen zurückgreifen könnten.

Das Foto zeigt die Papeterie „Papierpoesie" von außen.
Mit der schön gestalteten Papeterie „Papierpoesie" zieht Berit Weller viele Kunden an.
Das Bild zeigt die liebevoll eingerichtete Papeterie „Papierpoesie".
Berit Weller bietet in ihrer Papeterie ein ganzjähriges Workshop-Programm an, das sie mit einem darauf abgestimmten Produktsortiment kombiniert.
Planung einer neuen eigenen Kollektion

Anhand ihrer eigenen Geschichte und weiterer individueller Geschäftsmodelle aus der Branche sieht sich die Wahl-Hessin darin bestätigt, dass man es im DIY-Sektor „gerade dann schafft, wenn man eine Nische findet – vielleicht sogar in Verbindung damit, selbst Produzent von Spezialitäten zu sein oder eben mit kleinen Marken zusammenzuarbeiten.“ Dazu passt auch, dass Berit Weller gemeinsam mit ihrer befreundeten Unternehmerin Jenny Trojak von „NUR EIN MÜ.“ in Panketal bei Berlin, mit der ein enger Kreativaustausch besteht, einen Kalender entworfen hat.

„Es reicht nicht, Ware hinzustellen und zu warten, dass die Kunden kommen, so funktionieren die Bastelbranche und das Kreativsein nicht. Man muss sich eben immer ein bisschen neu erfinden, um bestehen zu können“, ist die Hunde-Mama überzeugt, die ihren kleinen Vierbeiner namens „Frau Piefke“ als ihre einzige und von den Kunden innig geliebte Mitarbeiterin bezeichnet. Mit dem authentischen Mix aus Workshop-Kernkompetenz und den vielen Besonderheiten „kann ich Kunden begeistern und mich als Gastgeberin präsentieren.“

Die Entwicklung, dass sich aktuell ein Wandel in der Kundenstruktur vollziehe, führt die gelernte Hotelfachfrau zu neuen Überlegungen. Wetzlar mit dem alten Fachwerkhäuser- Kern, als Optikstadt und Etappe in Goethes Leben ziehe viele Touristen an. Daher erwägt Berit Weller, eigene ausgefallene Souvenir-Artikel herauszubringen. Blöcke und Stifte oder Karten mit Lokalkolorit, die die schöne Altstadt und andere Besonderheiten Wetzlars aufgreifen, gehören zu den Ideen für eine Kollektion, deren Finanzierung und Vermarktung die Geschäftsfrau derzeit prüft. Schon in der Corona-Phase ist es der damals frischgebackenen „Papierpoesie“-Inhaberin gelungen, präsent zu sein – über einen stadtbekannten Imbissgastronomen konnte sie selbst entwickelte Kreativsets ausliefern. Neuerdings gibt es eine Kooperation mit einer Weinbar in der Altstadt, um größere Kreativ-Events für bis zu 22 Teilnehmer/-innen auszurichten. Im Oktober soll es eine „Sternennacht“ zum Basteln von Weihnachtsschmuck geben. „Und wir hatten schon gemeinsam zum Acrylfarben-Workshop Squeezy Art und zum Thema Papierkollagen eingeladen. Für Angebote mit solchem Event-Charakter sind die Kunden empfänglich, gerade auch im Gastro-Rahmen.“

Investition ins eigene Markenzeichen

Natürlich müsse auch der erweiterten Konkurrenz etwas entgegengesetzt werden – immerhin gingen heutzutage viele Eltern zum Kindergeburtstag etwa in Funparks und in den Kletterwald oder unternähmen andere Aktivitäten. „Daraus werden große Events gemacht, ein Kreativworkshop ist dann eher die Schlechtwetter-Variante …“, gibt die Quereinsteigerin zu bedenken. Dass ihre Bastelkurse jedoch jederzeit als Freizeitbereicherung gesehen werden, daran arbeitet Berit Weller mit dem ausgefeilten Themenplan, den sie als inzwischen achtseitigen Print-Flyer zum Mitnehmen und online veröffentlicht. Wenn sich auch mal Gruppenangebote wie Junggesellinnen-Abschiede, Babypartys oder Team-Events hinzugesellen, so widmet Berit Weller dem Programm „als meinem Markenzeichen“ große Aufmerksamkeit. „Ich überlege jedes Jahr, wie viel Geld ich ausgeben kann für die Themenentwicklung und den Druck. Denn nur, wenn ich hier investiere, erfahren die Menschen von meinen Workshops.“

Viele der Ideen zu den Kursprojekten basieren auf ihren eigenen kreativen Stärken und Interessen. Mit inzwischen jährlich weit über 30 Kursthemen an mehr als 70 Terminen bietet die Händlerin, die in ihrer Laufbahn auch als Eventmanagerin gearbeitet hat, ein Portfolio, das sie in Vollzeit einbindet. Wenn das Geschäft nicht öffnet, ist die Händlerin mit der Vor- und Aufbereitung der Kurse beschäftigt. Und das hat es in sich – beginnend bei der Idee und dem Einkauf der Ware über die Zusammenstellung der Materialien je Teilnehmer/-in samt Erstellung von Anleitungen bis hin zum Schaffen der Wohlfühlatmosphäre im Raum und an den Arbeitsplätzen. Ob Einsteigerkurs zum Handsticken mit Grundstichen, ob moderne Punchneedle-Kreationen, ob Aquarellkurse und Mixed Media, ob Buchbinden oder Handlettering – im Programm sind Einmalangebote ebenso enthalten wie mehrfache Wiederholungen bei besonderer Nachfrage. „Die Kurse kosten immer einen Pauschalbetrag, der restlos alles abdeckt, da kommt nichts mehr on top. Nur so können die Kunden auch selbst kalkulieren.“ Aber hauptsächlich soll Interessierten die Möglichkeit gegeben werden, „in zweieinhalb bis drei Stunden wunderbare kreative Zeit zu verbringen im Kreise gleichgesinnter, lieber Mitmenschen.“

https://papier-poesie.com

Themen:Stationärer Handel
Sortimente & Produkte:Kreativ | Papeterie

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