Sorgfältig kuratiertes Sortiment
Für Carla Gundlach ist das stationäre Ladengeschäft kein Auslaufmodell – aber eines, das sich grundlegend verändert hat. Der Fachmarkt ihres Unternehmens in Osnabrück lebt heute nicht mehr vom Verkauf klassischen Bürobedarfs, sondern von Beratung, Inszenierung und einem sorgfältig kuratierten Sortiment. Schulranzen, ergonomische Bürostühle und vor allem hochwertiges Kunstgewerbe prägen das Bild. Genau hier liegt auch die Herausforderung: Dieses Geschäft ist emotional, personalintensiv und deutlich aufwendiger als der frühere Abverkauf standardisierter Produkte.
Social Media ist entscheidender Frequenzbringer
Künstliche Intelligenz greift im Ladengeschäft nicht direkt in den Verkauf ein, sondern wirkt im Hintergrund. Ein zentrales Einsatzfeld ist Social Media – längst ein entscheidender Frequenzbringer für den stationären Handel. Inhalte werden analysiert, Reichweiten ausgewertet und Erfolge erklärt. Wenn ein Video plötzlich über 10.000 Views erzielt, liefert KI Hinweise darauf, warum genau dieser Inhalt funktioniert hat – und was sich daraus ableiten lässt. Für Gundlach ist das kein Marketing-Gimmick, sondern eine konkrete Entscheidungshilfe für die nächste Aktion.
Produktbilder aus einfachen Handyaufnahmen
Auch bei der visuellen Darstellung spielt KI eine wachsende Rolle. Produktbilder, die früher aufwendige Fotosettings erfordert hätten, entstehen heute aus einfachen Handyaufnahmen. Gravierte Werbeartikel oder Geschenkideen lassen sich mit wenigen Handgriffen professionell aufbereiten und im System hinterlegen. Das spart Zeit und Kosten – und erhöht gleichzeitig die Qualität der Kundenansprache. „Darauf möchten wir eigentlich schon gar nicht mehr verzichten“, sagt Gundlach.
KI-gestützte Auswertungen helfen
Ein weiteres Thema ist die Sortiments- und Preisgestaltung. Gerade im Kunstgewerbe gibt es keine klaren Vergleichspreise wie im Bürobedarf. Welche Preise sind marktgerecht? Was akzeptieren Kunden für Beratung und Auswahl? Wo liegen Schmerzgrenzen? Heute werden viele dieser Fragen noch händisch und aus Erfahrung beantwortet. KI-gestützte Auswertungen könnten hier künftig helfen, Marktbewegungen besser einzuordnen und das Pricing zu automatisieren. Carla Gundlach denkt dabei an elektronische Regaletiketten, so wie es sie beispielsweise in Supermärkten gibt.
Anfängliche Skepsis ist verschwunden
KI hilft außerdem bei klassischen Alltagsaufgaben im Ladenbetrieb: beim Formulieren sensibler Kundenantworten, bei Reklamationen oder bei schnellen Recherchen, wenn Technik streikt oder Informationen fehlen. Was früher Zeit und Nerven kostete, wird heute als selbstverständliche Unterstützung genutzt. Die anfängliche Skepsis im Team ist verschwunden. KI wird nicht als Konkurrenz wahrgenommen, sondern als Hilfsmittel. „Mittlerweile ist das komplett vorbei – spätestens bei der ersten Kundenreklamation, die man sauber beantworten muss“, so Gundlach.
Klare Grenzen für die Automatisierung
Entscheidend ist dabei immer der Mensch. KI liefert Vorschläge, Strukturen und Anstöße – die Bewertung bleibt Aufgabe der Mitarbeitenden. Gerade im Ladengeschäft, wo Emotion, Vertrauen und persönliche Ansprache zählen, sieht Gundlach klare Grenzen für Automatisierung. Der Mehrwert liegt nicht im Ersetzen, sondern im Entlasten. „Wir gewinnen Zeit durch KI – und diese Zeit können wir wieder näher beim Kunden sein.“
Für die Zukunft wünscht sie sich weniger Insellösungen und mehr praxistaugliche Standards, die auch für kleinere Handelsunternehmen bezahlbar sind. KI soll kein Selbstzweck sein, sondern ein Werkzeug, das hilft, das Ladengeschäft trotz steigender Anforderungen attraktiv und wirtschaftlich zu betreiben.
Oder, wie Carla Gundlach selbst es formuliert: „Die Angst ablegen, offen sein – und einfach machen.“









