Nach Angaben des Unternehmens waren Kundenbasis, Kapital, Technologie und Logistik für den weiteren Wachstumskurs bereits vorhanden. Böttcher führt die Entscheidung stattdessen auf eine Kombination aus Unternehmenssteuern und Sozialabgaben, Energie- und Arbeitskosten, zunehmender Bürokratie sowie fehlender Planungssicherheit zurück.
Verpackungsregulierung gibt Ausschlag
Den konkreten Ausschlag für die Entscheidung habe die neue europäische Verpackungsregulierung gegeben. Böttcher kritisiert insbesondere zusätzliche Registrierungs-, Melde-, Dokumentations- und Entsorgungspflichten.
Die EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle, kurz PPWR, gilt grundsätzlich seit dem 12. August 2026. Sie vereinheitlicht Anforderungen an Verpackungen innerhalb der EU und soll unter anderem Verpackungsabfälle reduzieren sowie Wiederverwendung und Recycling stärken. Die EU-Kommission verweist zugleich darauf, dass die bislang teilweise unterschiedlichen nationalen Vorgaben harmonisiert und damit grenzüberschreitende Geschäfte erleichtert werden sollen. Sie räumt jedoch auch Anpassungskosten für Unternehmen ein.
Böttcher bewertet die Auswirkungen anders. Aus Sicht des Unternehmens schränkten zusätzliche regulatorische Vorgaben den unternehmerischen Handlungsspielraum zunehmend ein und erschwerten langfristige Investitionsentscheidungen. Auch von der deutschen Politik fordert das Unternehmen verlässlichere und wachstumsfreundlichere Rahmenbedingungen.
Forderung nach verlässlicheren Rahmenbedingungen
Konkret spricht sich der Onlinehändler für niedrigere Unternehmenssteuern, weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Energiepreise und mehr Planungssicherheit aus. Wenn ein profitables und wachsendes Unternehmen auf ein potenzielles Wachstum von mehreren hundert Millionen Euro verzichte, sollte dies nach Auffassung des Unternehmens Anlass sein, die Standortbedingungen kritisch zu überprüfen.
Die Entscheidung reiht sich in eine Entwicklung ein, die Böttcher bereits im Frühjahr angekündigt hatte. Im Mai hatte der Onlinehändler trotz eines Umsatzwachstums von rund zwölf Prozent erklärt, geplante Investitionen in Millionenhöhe in Deutschland zunächst zurückzustellen und die weitere wirtschaftliche sowie politische Entwicklung abzuwarten.
Ende 2025 hatte die Böttcher AG erstmals die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro überschritten. Damals kündigte das Unternehmen für 2026 noch weitere Investitionen unter anderem in Automatisierung, IT und Datenanalyse an.








