Mit dem gemeinsamen Format setzten Büroring und PBS Deutschland bewusst ein Signal – nicht losgelöst von den wirtschaftlichen Realitäten. Denn: Mit der Schließung des Lagers stellt der Büroring seine Warenversorgung neu auf und setzt künftig auf PBS Deutschland als Kooperationspartner. Kern der Neuausrichtung ist ein virtuelles Lagermodell, das die Steuerungskompetenz der Genossenschaft mit der Leistungsfähigkeit des Großhändlers verbindet. Den angeschlossenen Händlern sollen durch die Partnerschaft, die ausdrücklich über eine klassische Lieferbeziehung hinausgeht und auch die Weiterentwicklung von Beschaffung, Sortimenten und Marketing umfasst, ein erweitertes Sortiment, höhere Geschwindigkeit und mehr Skalierbarkeit geboten werden.
Impulse für die tägliche Praxis
Das PBS Forum wurde damit auch zum sichtbaren Ausdruck dieses Schulterschlusses. Es brachte Fachhändler, Lieferanten und Dienstleister zusammen, gab Orientierung und lieferte Impulse für die tägliche Praxis. Entsprechend breit war das Programm angelegt: Lieferantenausstellung und persönlicher Austausch griffen ineinander. Dazu gehörten auch neue Leistungsbausteine des Bürorings. Neben einer Web2Print-Beschaffungsplattform wurde ein Vermarktungskonzept für den Bereich Robotik vorgestellt, das auf große Resonanz stieß. Erstmals Teil des Formats war zudem die Hausmesse „Saison & Trends“, mit der PBS Deutschland aktuelle Sortiments- und Vermarktungskonzepte nach Dresden brachte. Ein Fokus lag dabei auf Eigenmarkenstrategie und Margenoptimierung. Besucher erhielten Einblicke in moderne Handelskonzepte sowie konkrete Ansätze, wie sich Eigenmarken gezielt zur Profilierung und wirtschaftlichen Stärkung einsetzen lassen. Neben den Marken „Q-Connect“ und „Donau“ präsentierte PBS Deutschland auch zwei neue Eigenmarken, die zusätzliche Potenziale für den Fachhandel schaffen sollen.
Büroring stellt Strategie bis 2030 vor
Während Ausstellung und Fachgespräche den ersten Teil des Forums prägten, rückte am zweiten Tag der Büroring selbst in den Fokus. So fand zunächst die 50. Generalversammlung der Genossenschaft statt. Anschließend richtete sich der Blick nach vorn: auf die Strategie bis 2030. Die beiden Büroring-Vorstände Ingo Dewitz und Björn Unfug informierten dabei offen über die schwierige wirtschaftliche Entwicklung und die daraus abgeleiteten Konsequenzen. Dazu zählen die Schließung des eigenen Lagers sowie die damit verbundene Kündigung von 47 Mitarbeitenden. Beide Schritte seien aus Sicht des Vorstands alternativlos gewesen.
Neben der angespannten Lage in der Branche verwiesen sie auch „auf strukturelle Probleme der vergangenen Jahre, die dafür gesorgt haben, dass eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung nicht möglich war“. Deutlich wurde dies auch anhand zentraler Kennzahlen: Während die Genossenschaft 2020 noch 325 Mitglieder zählte, waren es Anfang 2026 noch 214. Parallel dazu halbierte sich das über die Organisation abgewickelte Geschäftsvolumen. Um die Organisation zu stabilisieren, so Dewitz, sei entschlossenes Handeln notwendig gewesen. Im Zentrum der Neuausrichtung steht deshalb die Aufgabe des eigenen Lagergeschäfts, das zuletzt monatliche Verluste im niedrigen sechsstelligen Bereich verursacht habe.
„Wir sind nicht angetreten, um den Niedergang zu verwalten“, erklärte auch Björn Unfug. Vielmehr sei es notwendig gewesen, das Geschäftsmodell grundlegend neu auszurichten. Mit der Schließung des Lagers setze man künftig auf virtuelle Lagerstrukturen, die den Zugang zu neuen Lieferanten und einen deutlichen Sortimentsausbau ermöglichen – perspektivisch auf bis zu fünf Millionen Artikel, von denen bis Ende 2026 bereits rund 250.000 verfügbar sein sollen. Auch wenn bereits viel bewegt worden sei, gebe es laut Dewitz noch keinen Anlass zur Entwarnung. Die positive Fortführungsprognose sei zwar ein wichtiges Signal, die Restrukturierung aber noch nicht abgeschlossen. Die volle Wirkung der Maßnahmen werde sich voraussichtlich erst ab 2027 in den Geschäftszahlen zeigen. Für das laufende Jahr rechne man noch nicht mit einer Rückkehr in die Gewinnzone.
Anlaufschwierigkeiten bei der Lagerumstellung
Sehr offen gingen die Büroring-Vorstände auch mit den Anlaufschwierigkeiten bei der Lagerumstellung um, die bei vielen Mitgliedern für Verärgerung gesorgt hat. Dewitz sprach von einem „Kraftakt“, entschuldigte sich für die Probleme und bat um Geduld, während man mit Hochdruck an Lösungen arbeite.
Auch Frank Exslager, CEO von PBS Deutschland, und CFO Ingo Beier räumten ein, dass bei der Umstellung trotz intensiver Vorbereitung noch nicht alles rund laufe. Die Zusammenführung der Lager und die technische Integration der Systeme seien große Herausforderungen, bei denen Fehler nicht ausgeschlossen werden könnten. Zugleich richteten beide den Blick nach vorn und bekannten sich klar zur Kooperation mit Büroring. Das Vertrauen in den Vorstand sei groß; gemeinsam wolle man sich den Herausforderungen des Marktes stellen und „um jeden Prozentpunkt Marktanteil kämpfen“, so Exslager.
Dewitz und Unfug zeigten sich ebenfalls zuversichtlich und verwiesen auf die Mehrwerte: Virtuelle Lagerstrukturen und der geplante Sortimentsausbau sollen die Grundlage für eine umfassende 360-Grad-Versorgung und One-Stop-Shopping schaffen. Eine wichtige Rolle spiele dabei auch ein zentrales Master Data Management, das derzeit aufgebaut wird und künftig die Basis für eine erfolgreiche Entwicklung bilden soll. Dass Büroring trotz der schwierigen Einschnitte nach vorn blickt, wurde auch am Abend deutlich: In den Ostra Studios stand die Jubiläumsparty zum 50-jährigen Bestehen der Genossenschaft auf dem Programm. Neben dem fachlichen Austausch bot das Forum Raum für Networking und vermittelte spürbare Zuversicht. Der Tenor dabei: Die neue Ausrichtung muss ihre Tragfähigkeit zwar erst noch beweisen. Der Rahmen für einen Neustart ist jedoch gesetzt.








