Der HDE hat sich zur aktuellen Debatte um eine mögliche gesetzliche Regelung der Zahlungsmittelakzeptanz positioniert. Laut dem Verband können Kundinnen und Kunden in nahezu allen stationären Geschäften bereits heute frei wählen, ob sie bar, mit Karte, per Smartphone oder per Smartwatch bezahlen. Eine gesetzliche Vorgabe sei daher zumindest im Einzelhandel unnötig und würde vor allem zusätzliche Bürokratie schaffen.
„Der Handel kommt mit seinem Angebot an akzeptierten Zahlungsmitteln dem Wunsch der Verbraucher nach, denn nach wie vor wollen Kunden mit Bargeld zahlen. Andere bevorzugen die Kartenzahlung oder zunehmend auch via Smartphone oder Uhr“, sagt HDE-Experte Ulrich Binnebößel.
Bargeld dominiert bei Transaktionen, verliert aber beim Umsatz
Dabei verschiebt sich das Zahlungsverhalten in Deutschland seit Jahren in Richtung bargeldloser Methoden. Laut Daten des Handelsforschungsinstituts EHI wurden 2024 noch 54,6 Prozent aller Transaktionen im stationären Einzelhandel bar abgewickelt. Gemessen am Umsatz lag der Bargeldanteil jedoch nur noch bei rund 33,8 Prozent. Bargeld bleibt damit zwar bei kleineren Einkäufen verbreitet, verliert insgesamt aber weiter an Gewicht. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher wünschen sich laut HDE zwar grundsätzlich Wahlfreiheit, greifen im Alltag aber immer häufiger zu Karte und mobilen Bezahlverfahren.
Verband kritisiert sowohl Bargeld- als auch Kartenpflicht
Der HDE wendet sich ausdrücklich gegen beide Varianten einer gesetzlichen Akzeptanzpflicht. Weder eine verpflichtende Bargeldannahme noch eine Pflicht zur Akzeptanz unbarer Zahlungsarten hält der Verband für zielführend. „Gesetzliche Vorgaben sollten vor allem praktikabel sein und sich an realen Problemfällen orientieren, statt zusätzliche Bürokratie zu schaffen, die zumindest im Einzelhandel unnötig ist“, so Binnebößel.
Sollte der Gesetzgeber dennoch Regelungen treffen, müssten laut HDE klare Ausnahmen definiert werden. Bei einer Bargeldpflicht seien etwa Sicherheitsgründe, Automatenstandorte oder Kassen zu berücksichtigen, an denen eine Bargeldannahme wirtschaftlich nicht tragbar ist. Bei einer Kartenpflicht müsse hingegen präzise festgelegt werden, welche Zahlungsarten gemeint sind und wie mit technischen Ausfällen umzugehen ist.
Steigende Kosten und schrumpfende Infrastruktur belasten Händler
Der Verband verweist zudem auf die wachsenden Kosten der Bargeldlogistik. Fixkosten für Kassensysteme, Tresore, Sicherheitsmaßnahmen und Geldtransporte blieben bestehen, obwohl immer weniger Transaktionen bar abgewickelt würden. Die Kosten pro einzelnem Bargeldvorgang stiegen dadurch spürbar an. Verschärft werde die Situation dadurch, dass viele Banken ihre Dienstleistungen für Gewerbekunden eingeschränkt oder ganz eingestellt hätten – etwa bei der Versorgung mit Münzgeld oder bei der Einzahlung von Bargeld. Für Händler bedeute das zusätzlichen Aufwand und höhere Kosten.
HDE fordert bessere Bargeldinfrastruktur statt Pflichten
Statt einer reinen Akzeptanzpflicht fordert der HDE verlässliche Rahmenbedingungen für eine funktionierende Bargeldinfrastruktur. Dazu gehörten laut Binnebößel eine gesicherte Versorgung mit Wechselgeld für Händler sowie kostenorientierte und praxistaugliche Lösungen zur Bargeldeinzahlung. Nur so könne Bargeld dort erhalten bleiben, wo es von Verbraucherinnen und Verbrauchern weiterhin genutzt werde – ohne den Handel unverhältnismäßig zu belasten.









