Das Marktforschungsunternehmen Kantar hat im März 2026 sein jährliches BrandZ-Ranking veröffentlicht. Darin bewertet es die wertvollsten deutschen Marken. Die Methodik stützt sich dabei auf eine Kombination aus Finanzdaten und repräsentativen Verbraucherbefragungen in 538 Kategorien und 54 Märkten. Insgesamt kommen die 50 gelisteten Marken auf einen Gesamtmarkenwert von rund 571 Milliarden US-Dollar. Der Einzelhandel ist mit zehn Einträgen die am stärksten vertretene Branche – und damit die größte Kategorie im gesamten Ranking.
Aldi hält Platz vier, Lidl springt auf Platz sechs
Aldi belegt laut Kantar unverändert den vierten Rang im Gesamtranking. Der Discounter erreicht dabei einen Markenwert von rund 27,7 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch stärker fällt allerdings das Wachstum bei Lidl aus: Der Wettbewerber steigert seinen Markenwert um 36 Prozent auf rund 21,0 Milliarden US-Dollar und rückt deshalb vier Plätze auf Rang sechs vor. Kantar führt diesen Zuwachs vor allem auf die Wahrnehmung von Lidl als Anbieter mit einem besonders guten Preis-Leistungs-Verhältnis zurück.
Zudem ist Lidl inzwischen in 31 Ländern aktiv. Seit 2010 hat der Discounter seinen Markenwert von rund 4,1 Milliarden auf nunmehr 21,0 Milliarden US-Dollar ausgebaut. Das entspricht einem Zuwachs von rund 16,9 Milliarden US-Dollar in 16 Jahren. Beide Discounter profitieren laut Kantar überproportional von ihrer internationalen Aufstellung. Denn die deutschen Top-50-Marken erwirtschaften demnach im Schnitt 73 Prozent ihrer Umsätze außerhalb Deutschlands.
Gemeinsam kommen Aldi und Lidl auf rund 48,7 Milliarden US-Dollar Markenwert. Die verbleibenden acht Einzelhändler im Ranking erreichen dagegen zusammen nur rund 20,7 Milliarden US-Dollar. Die Daten legen daher nahe, dass Internationalität und eine konsequente Preispositionierung die zentralen Werttreiber innerhalb der Kategorie sind.
Otto, Fielmann und Edeka wachsen – Zalando verliert
Auch unter den übrigen Einzelhändlern im Ranking verzeichnet die Mehrheit Zuwächse. Otto steigert seinen Markenwert laut Kantar um 19 Prozent, während Fielmann um 16 Prozent zulegt. Edeka wächst um 14 Prozent und Rewe um 13 Prozent. Moderater fallen hingegen die Gewinne bei dm-drogerie markt (+7 Prozent) und Kaufland (+5 Prozent) aus. Rossmann bleibt dagegen wertmäßig stabil.
Einen Sonderfall stellt jedoch Edeka dar: Trotz eines Markenwert-Zuwachses von 14 Prozent verliert der Vollsortimenter zwei Plätze im Gesamtranking. Offenbar wuchsen andere Marken außerhalb des Einzelhandels schneller. Deutlich negativer entwickelt sich außerdem Zalando. Der Online-Modehändler verbucht einen Rückgang von 17 Prozent und fällt deshalb vier Ränge auf Platz 31. Kantar nennt als Hintergrund den intensiven Wettbewerb im Fast-Fashion-Segment.
Eigenmarken und Retail Media prägen den Markt
Kantar identifiziert in seiner Analyse mehrere Trends, die den deutschen Einzelhandel derzeit prägen. Das wirtschaftliche Umfeld verstärke demnach den Fokus der Verbraucherinnen und Verbraucher auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. Davon profitierten Discounter überproportional. Gleichzeitig reagierten aber auch traditionelle Händler und setzten verstärkt auf Eigenmarken-Sortimente. Als Beispiele nennt Kantar unter anderem Rewe Feine Welt, Lidl Deluxe sowie Alverde von dm-drogerie markt.
Darüber hinaus gewinnt laut Kantar das Geschäftsfeld Retail Media an Gewicht. Einzelhändler monetarisieren demnach zunehmend Werbeflächen auf ihren E-Commerce-Plattformen und erschließen sich damit eine zusätzliche Einnahmequelle.







