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Startseite » Handel » Negativpreis „Plagiarius“ rückt Ausmaß, Schäden und Hintergründe in den öffentlichen Fokus
Die Plagiarius-Jury traf sich im Dezember 2024 und vergab drei Hauptpreise sowie fünf gleichrangige Auszeichnungen.
Bild: egadolfo/iStock Unreleased

Produkt- und Markenpiraterie

Negativpreis „Plagiarius“ rückt Ausmaß, Schäden und Hintergründe in den öffentlichen Fokus

Kalender Icon13. Februar 2025
Autor IconRedaktion

Der Handel mit Billigprodukten boomt, während über 85 Prozent der Artikel auf Plattformen wie Temu und Shein gegen EU-Sicherheitsstandards verstoßen. Die Aktion Plagiarius verleiht ihren Negativpreis, um auf diese Problematik aufmerksam zu machen.

Der Handel mit Billigprodukten und Plagiaten boomt, wobei über 85 Prozent der Artikel auf Plattformen wie Temu, Shein und Alibaba gegen EU-Sicherheitsstandards verstoßen. Im Jahr 2024 erreichten rund 4 Milliarden zollfrei deklarierte Pakete die EU, während die Zahl der von EU-Behörden beschlagnahmten Fälschungen 2023 massiv anstieg. Der Erfolg dieser Billigprodukte beruht auf hoher Nachfrage und mangelnder Kontrolle der Anbieter sowie der Plattformbetreiber. Europäische Wirtschafts- und Handelsverbände fordern daher schnelles Handeln der Politik zur konsequenten Durchsetzung von EU-Standards, um Verbraucher zu schützen und einen fairen Wettbewerb wiederherzustellen.

Die Aktion Plagiarius hat am 7. Februar zum 49. Mal ihren Negativpreis an Hersteller und Händler besonders dreister Plagiate verliehen. Unter den Preisträgern sind auch Plattformbetreiber, die trotz Kenntnis eingetragener Schutzrechte rechtsverletzende Uploads zulassen. Diese Auszeichnung soll auf die Problematik aufmerksam machen und die Geschäftsmethoden von Fälschern ins öffentliche Bewusstsein rücken.

Im Jahr 2023 wurden an den EU-Außengrenzen und im Binnenmarkt mehr als 152 Millionen gefälschte Artikel im Wert von etwa 3,4 Milliarden Euro beschlagnahmt – ein Anstieg von 77 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Zahlen verdeutlichen das Ausmaß des Problems, das durch unzureichende Kontrollen noch verstärkt wird.

Markenhersteller bemühen sich um verantwortungsvolle Produktion, während Fälscher oft unter ethisch fragwürdigen Bedingungen arbeiten. Die Risiken minderwertiger Produkte sind erheblich: Sie können gefährliche Elektronik oder mangelhafte Funktionalität aufweisen und haben häufig nie eine Qualitätskontrolle durchlaufen.

Um die Flut von Fälschungen in der EU einzudämmen, müssen Politik, Wirtschaft und Verbraucher zusammenarbeiten. Es liegt in der Verantwortung aller Marktteilnehmer, bewussten Konsum zu fördern und so Kreativschaffende sowie den legalen Handel zu unterstützen. Das Museum Plagiarius in Solingen zeigt ab dem 14. Februar eine Ausstellung mit über 350 Preisträgern des Negativpreises, um auf die Problematik aufmerksam zu machen und Informationen über Produktpiraterie bereitzustellen.

Preisträger 2025 des Negativpreises „Plagiarius“

Die Jury vergab am 06. und 07. Dezember 2024 drei Hauptpreise sowie fünf gleichrangige Auszeichnungen.

1. Preis:
Front- und Seitengreifzange „Knipex TwinGrip“
Original: Knipex-Werk C. Gustav Putsch, Deutschland
Plagiate: Vertrieb über temu.de und andere Plattformen.
Knipex schützt seine Produkte vor Plagiaten, die oft nur durch minderwertige Materialien und Verarbeitung auffallen. Trotz wiederholter Löschanfragen bleiben viele Plagiate online, was auf unzureichende Prävention hinweist.

2. Preis:
Fahrradkorb „bikebasket”
Original: Reisenthel Accessoires, Deutschland
Plagiat: Vertrieb über manomano.de ohne klare Verantwortlichkeit.
Reisenthel geht gegen zahlreiche Nachahmer vor, doch der Betreiber Colibri reagierte erst nach einer Abmahnung auf die Verletzungen.

3. Preis:
Grußkarten-Motiv für Porzellan-Serie
Original: Atelier Jörg Mohme, Deutschland
Plagiat: Vertrieb über einen französischen Großhändler.
Nach einem langwierigen Rechtsstreit wurde das Plagiat als Urheberrechtsverletzung anerkannt, was die Bedeutung des Schutzes kreativer Arbeiten unterstreicht.

Gleichrangige Auszeichnungen vergab die Jury für Fälschungen dieser Originale:
Insektenstichheiler „BR 60” (Beurer): Das Plagiat behauptet medizinische Funktionen ohne entsprechende Zulassung.
Spielzeug-Mobilbagger „Bruder Roadmax” (Bruder Spielwaren): Nachahmer kopieren das Design, jedoch mit minderwertigen Materialien.
Kühlergrill „Mercedes-Benz Star Pattern” (Mercedes Benz): Fälschungen gefährden Verbraucher durch mangelhafte Qualität.
Recycling Müllsystem „Albula” (Rotho Kunststoff): Identische Kopien des Designs kursieren im Internet.
Elektrisch-isolierte Schraubendreher „Proturn” (Wiha Werkzeuge): Plagiate erfüllen nicht die Sicherheitsstandards und stellen ein Risiko dar.

Diese Auszeichnungen verdeutlichen die Herausforderungen im Kampf gegen Produktpiraterie und den notwendigen Schutz geistigen Eigentums.

www.plagiarius.com

Themen:Auszeichnung | Awards | Design | Gütesiegel und Prüfzeichen | Konsum | Markenprodukte | Nachhaltigkeit | Online-Handel

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