Stefan Kokkes, wann war für Sie klar: Dieses Festival braucht eine Fortsetzung?
Spätestens nach den vier Tagen in Köln im Jahr 2024. Wir haben erlebt, wie groß der Bedarf ist, Arbeitskultur nicht nur abstrakt zu diskutieren, sondern sie im Zusammenspiel von Raum, Technologie, Organisation und Menschen konkret zu erleben. Die Resonanz der Besucher, Aussteller und Partner war sehr deutlich: Ein Format, das klassische Messe und kuratiertes Programm verbindet, schließt eine Lücke. Für uns war daher schnell klar, dass wir das Wherever Whenever – Work Culture Festival fortsetzen und inhaltlich weiterentwickeln wollen.
Was bietet das Festival in Halle 6, das ein klassischer Messerundgang nicht leisten kann?
Ein Messerundgang zeigt Produkte und Lösungen, das Festival ergänzt diese Perspektive um Kontext, Diskurs und Best-Practice-Beispiele. In Halle 6 finden Besucher neben den Messeständen unserer IBA-Mitglieder kuratierte Bühnen, Panels, Workshops, Rauminstallationen und Erlebnisse, die die Arbeitswelt von morgen in unterschiedlichen Facetten zeigen. Sie können dabei sein, wenn Vordenker über die Zukunft der Arbeit referieren, und gleichzeitig sehen, wie Hersteller, Planer und Unternehmen diese Ideen räumlich übersetzen. Diese Kombination aus Erlebnis, Programm und konkreten Anwendungsbeispielen bietet mehr als einen reinen Produktüberblick.
Das Festival versteht sich als Marktplatz für Work Culture. Was kann man sich darunter genau vorstellen?
Wir verstehen Work Culture als Zusammenspiel von Raum, Organisation, Technologie und Verhalten. Ein Marktplatz für Work Culture ist daher ein Ort, an dem unterschiedliche Disziplinen ihre Perspektiven einbringen und unmittelbar nebeneinander sichtbar werden. In Halle 6 treffen Architekten, Designer, HR-Verantwortliche, Corporate-Real-Estate-Teams, Facility- und IT-Experten sowie Hersteller und Dienstleister aufeinander. Auf den Bühnen und an den Ständen werden Fragen verhandelt wie: Wie stärken wir Menschen in ihrer Arbeit? Wie bleiben Menschen in hybriden Strukturen verbunden? Wie schaffen Räume Identifikation und transportieren Unternehmensmarke und -kultur erlebbar nach innen wie nach außen? Und wie übersetzen wir Nachhaltigkeit und KI in praktikable Arbeitskonzepte? Ein Marktplatz ist für uns kein abstraktes Bild, sondern eine sehr konkrete Mischung aus Programm, Austausch, Best Practices und prototypischen Umgebungen, aus der Besucher direkt Ansätze für ihre eigene Organisation mitnehmen können.
Wie profitieren Besucher davon, dass Festivalprogramm, Aussteller und Partner in Halle 6 so eng miteinander verzahnt sind?
Sie haben alles an einem Ort und verlieren keine Zeit. Wer in Halle 6 ist, kann direkt von einem Talk zu einer Fläche wechseln, ein Thema auf der Bühne hören und anschließend am Stand des Herstellers konkrete Umsetzungsmöglichkeiten sehen oder diskutieren. Viele Sessions sind bewusst so angelegt, dass sie nicht nur Trends beschreiben, sondern Best-Practice-Cases, Projektverläufe und übertragbare Lösungswege zeigen. Unsere Themenpartner etwa aus den Bereichen Workplace Design, Transformation, Technologie, HR, Gesundheit, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft sind nicht nur Sponsoren, sondern bringen ihre Expertise auch aktiv in Sessions, Workshops und Raumkonzepte ein. Direkt neben den Festivalbühnen in Halle 6 präsentieren zahlreiche Mitgliedsunternehmen des IBA ihre aktuellen Lösungen für die Arbeitswelt von morgen. Mit dabei sind Actiu, Bene, Bimos, BuzziSpace, Extremis, Forma 5, goconut, Haworth, Interstuhl, JAB ANSTOETZ, INCLASS, intensor, Kinnarps, Mara, Mikomax, Nowy Styl und Kusch+Co, Nurus, Palmberg, Pedrali, Sedus, Thonet, Viasit und VS. Besucher profitieren dadurch von kurzen Wegen, einem hohen Anwendungsbezug und der Möglichkeit, Perspektiven sofort mit Produkten, Services und Projekten zu verknüpfen und daraus Blueprints für ihren eigenen Arbeitsalltag zu entwickeln.
Welche sind die vier oder fünf Trendthemen, die sich im Programm wiederfinden?
Inhaltlich arbeiten wir 2026 mit drei Leitgedanken, die sich durch das gesamte Programm ziehen. Bei „Empowered Experience“ geht es um Arbeitsumgebungen, die Menschen stärken, ihnen Orientierung geben und sie in ihrer Arbeit unterstützen, zum Beispiel über identitätsstiftende Räume, neue Hospitality-Ansätze und Workplace-Experience-Projekte in internationalen Unternehmen. „Connected Cultures“ widmet sich der Frage, wie Organisationen in Strukturen kulturell verbunden bleiben können, mit konkreten Beispielen für Führung, Zusammenarbeit und Community Building. „Radical Impact“ beleuchtet, wie sich ökologische und technologische Veränderungen aktiv gestalten lassen, etwa durch nachhaltige Flächenstrategien, zirkuläre Modelle für Ausstattung und den Einsatz von KI im Arbeitsalltag. Daraus ergeben sich Themen wie Transformation und Führung, Workplace Experience, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft, KI und Data Literacy, Gesundheit und Performance, Hospitality Konzepte im Büro sowie die Rolle von Gestaltung als kultureller Verstärker jeweils mit Best-Practice-Beispielen und übertragbaren Lösungen für die Praxis.
Auf welche Speaker sind Sie am meisten gespannt – und warum?
Ich freue mich besonders auf jene Speaker, die Brücken zwischen Disziplinen schlagen, etwa wenn Spitzensport, Hotellerie, Wissenschaft, Architektur, Management und Design ihre sehr unterschiedlichen Perspektiven auf Arbeit zusammenbringen. Stellvertretend für diesen interdisziplinären Ansatz stehen Namen wie Ole Scheeren, Carlo Ratti, Peter Ippolito, Naoki Terada, Prof. Miriam Meckel, Ralf Schumacher, Angelique Kerber, Cornelia Poletto, Dr. Caroline von Kretschmann, Dr. Anne Latz und Toan Nguyen, Dr. Guzman de Yarza Blache oder Julia Hobsbawm. Sie verbinden Praxis, Forschung und Unternehmertum auf eine Weise, die für Festivalbesucher direkt anschlussfähig ist. Einen weiteren inhaltlichen Höhepunkt setzt Trendforscherin Birgit Gebhardt. Mit ihrer neuen, im Auftrag des IBA durchgeführten, New Work Order-Studie zum Thema „Kollaboration mit KI“ liefert sie den wissenschaftlichen Impuls für eine der zentralen Debatten des Festivals: Wie verändert Künstliche Intelligenz unsere Arbeitskultur und welche Antworten brauchen Unternehmen schon heute?
Wo sehen Sie aktuell den größten Veränderungsdruck in der Arbeitswelt – bei Unternehmen, Mitarbeitenden, Handel oder Herstellern?
Der Veränderungsdruck verteilt sich, aber er zeigt sich unterschiedlich. Unternehmen stehen vor der Aufgabe, ihre Flächenstrategien, Arbeitsmodelle und Arbeitskultur gleichzeitig zu justieren, was oft mit Projekten zur Neuorganisation von Standorten oder Büros verbunden ist. Beschäftigte erleben einen hohen Anspruch an Selbstorganisation, Lernbereitschaft und Resilienz. Handel und Hersteller wiederum müssen auf regulatorische Anforderungen, Plattformökonomien, neue Beschaffungspfade und den Trend zu zirkulären Geschäftsmodellen reagieren. Die größte Herausforderung liegt aus meiner Sicht in der Synchronisation: Die unterschiedlichen Akteure müssen diese Entwicklungen gemeinsam adressieren, statt sie nacheinander zu bearbeiten. Genau dafür wollen wir mit dem Festival einen Raum schaffen.
In Krisenzeiten: Wie verbindet sich moderne Arbeitskultur mit Flächeneffizienz und Wirtschaftlichkeit?
Moderne Arbeitskultur bedeutet nicht automatisch mehr Fläche, sondern bessere Nutzung. Viele Unternehmen stellen fest, dass identitätsstiftende, gut gestaltete Orte für Zusammenarbeit, Fokus und Regeneration wichtiger werden, und dass sie gleichzeitig mit Flächeneffizienz und Kostendruck umgehen müssen. Wir sehen, dass der Schlüssel in klaren Nutzungskonzepten liegt. Mit Räumen, die bestimmte Tätigkeiten bewusst unterstützen und diese mit Daten über Auslastung, Bedarf und Verhalten kombinieren. Nachhaltigkeit spielt hier ebenso eine Rolle wie Wirtschaftlichkeit und in diesem Zuge auch langlebige, flexible Lösungen sowie zirkuläre Modelle für Ausstattung. Eine gute Arbeitskultur und Flächeneffizienz schließen sich nicht aus, aber sie erfordern eine bewusste Gestaltung und den Mut, liebgewonnene Routinen zu hinterfragen.
Zum Schluss persönlich gefragt: Wenn sich das Thema KI in dem Tempo weiterentwickelt – was glauben Sie, wie und wo arbeiten Sie in 5 oder 10 Jahren?
Ich gehe davon aus, dass wir in fünf bis zehn Jahren selbstverständlicher mit KI-gestützten Werkzeugen arbeiten werden. Vieles, was heute noch als „neu" gilt, wird dann Teil unseres Alltags sein. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass die Frage nach dem „Wo“ noch wichtiger werden wird. Wir brauchen Orte, an denen Vertrauen, Austausch und Kultur entstehen, ganz unabhängig davon, wie digital unsere Werkzeuge sind. Ich persönlich hoffe, dass ich auch in Zukunft in Umgebungen arbeiten kann, in denen sich Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen begegnen, Ideen testen und gemeinsam an einer besseren Arbeitswelt arbeiten. KI kann vieles unterstützen, doch das Büro bleibt der Ort, an dem Zusammenarbeit wirklich Gestalt annimmt.
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Als besonderen Anreiz und damit Sie auch sicher kommen, haben wir einige kostenlose Dauerkarten für unsere Leser:innen – schreiben Sie uns eine Mail mit dem Betreff: WW-Work Culture Festival – Tickets sowie ihren Kontaktdaten. Wenn es mehr Anfragen als Tickets gibt, entscheidet das Los.
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