Herr Mersmann, auf Ihrer Generalversammlung haben Sie angekündigt, die Mitglieder in diesem Jahr mit gezielten Maßnahmen weiter zu stärken – von neuen Sortimenten über digitale Lösungen bis hin zu optimierten Logistikprozessen. Warum ist die Weiterentwicklung digitaler Prozesse für Soennecken und die Mitglieder gerade jetzt so wichtig?
Die Anforderungen unserer Mitglieder und ihrer Kunden verändern sich spürbar – vor allem, wenn es um digitale Beschaffung, Geschwindigkeit und verlässliche Prozesse geht. Genau hier wollen wir ansetzen. Wir möchten unsere Mitglieder im Tagesgeschäft entlasten und ihnen Lösungen an die Hand geben, die ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Im Mittelpunkt stehen derzeit die Weiterentwicklung unserer E-Commerce-Plattform YourCommerce und unseres E-Procurement-Systems YourProcure sowie die Optimierung unserer Logistikprozesse. Digitalisierung ist für uns kein Selbstzweck. Sie muss Prozesse einfacher, stabiler und wirtschaftlicher machen. Je tiefer sich unsere Händler in die Abläufe ihrer Kunden integrieren, desto stärker wird zudem die Kundenbindung. Themen wie die elektronische Rechnung geben dieser Entwicklung zusätzliche Dynamik.
Ein zentrales Thema ist die Optimierung der Logistik. Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Hebel, und welche Mehrwerte ergeben sich daraus für die Mitglieder?
Die größten Hebel liegen in stabileren Prozessen, effizienteren Abläufen und einer weiter verbesserten Qualität im Versand. In den vergangenen Monaten haben wir beispielsweise intensiv an der Verpackungsqualität gearbeitet – mit messbarem Erfolg: Die Reklamationsquote konnte bereits deutlich reduziert werden. Wir setzen unter anderem neue Kartonagen mit höherer Festigkeit ein. Besonders beim Versand von Milch haben wir Prozess und Verpackung so angepasst, dass es trotz der logistischen Herausforderungen nahezu keine Reklamationen mehr gibt. Für Soennecken bedeutet das mehr Effizienz, geringere Fehlerquoten und eine höhere Skalierbarkeit. Für unsere Mitglieder heißt es vor allem: zufriedenere Kunden, die ihre Ware vollständig und unbeschädigt erhalten.
Auch der bereits etablierte YourCommerce-Shop wird weiterentwickelt. An welchen Themen arbeiten Sie hier konkret?
Wir entwickeln YourCommerce kontinuierlich weiter – mit einem klaren Fokus auf Nutzerfreundlichkeit, Performance und bessere Funktionen. In den vergangenen Monaten standen vor allem Verbesserungen in der Produktsuche im Vordergrund. Darüber hinaus haben wir Optimierungen wie die Integration eines einfachen PayPal-Connectors umgesetzt.
Die Suche bleibt für uns ein zentrales Thema. Wir arbeiten dauerhaft an technischen Verbesserungen und an einer höheren Datenqualität. Davon profitieren die Endkunden unmittelbar: Sie finden schneller das gewünschte Produkt, und unsere Mitglieder können ihren Kunden ein besseres digitales Einkaufserlebnis bieten. Und natürlich ergänzen wir gesetzlich geforderte Funktionen, wie aktuell den sogenannten “Widerrufsbutton”.
Im Mai haben Sie die neue Version Ihres Procurement-Systems YourProcure gelauncht. Was bedeutet dieser Schritt für Soennecken und die Mitglieder?
Mit dem Launch von YourProcure 1.0 haben wir einen wichtigen Meilenstein erreicht. Die Lösung ist die Weiterentwicklung unseres etablierten E-Procurement-Systems SoProcure und stellt unsere prozessual starke Plattform auf eine moderne, zukunftsfähige technische Basis. Im Mittelpunkt stehen eine deutlich verbesserte Nutzererfahrung und mehr Performance. Ein modernes, responsives Frontend ermöglicht die optimale Nutzung auf allen Endgeräten. Eine intuitivere Nutzerführung macht die Prozesse vom Login bis zum Check-out effizienter. Hinzu kommen KI-gestützte Qualitätssicherung und eine Headless-Architektur, die künftige Erweiterungen erleichtert. Ein weiterer zentraler Baustein ist die Integration eines Content-Management-Systems. Damit können Mitglieder ihre Shop-Inhalte flexibel und unabhängig von der Bestelllogik gestalten – deutlich näher an den Anforderungen ihrer eigenen Kunden. Wichtig war uns dabei auch die praktische Umsetzbarkeit: Bestehende Systeme, Daten und Prozesse bleiben erhalten. Unsere Mitglieder entscheiden selbst, wann und in welchem Tempo sie auf die neue Lösung wechseln. So schafft YourProcure eine leistungsfähige Plattform, die Prozesse vereinfacht und klare Wettbewerbsvorteile bietet.
Mit Microsoft Dynamics 365 haben Sie im vergangenen Jahr zudem ein neues ERP-System eingeführt. Welches Resümee ziehen Sie nach einem Jahr Betrieb?
Mit der Einführung haben wir die Grundlage für deutliche Prozessverbesserungen gelegt. Ein konkretes Beispiel ist der von den Mitgliedern lange gewünschte Auftragssplit: Damit können wir Rückstände vermeiden, indem wir Ware aus einem Auftrag aus beiden Logistikzentren liefern. Gleichzeitig profitieren wir von der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Systems durch Microsoft. In den kommenden Monaten wollen wir durch KI-basierte Agenten weitere Abläufe verbessern und automatisieren. Das spart Zeit und Kosten – und wirkt damit unmittelbar im Sinne unserer Mitglieder.
Wenn Sie Shop, E-Procurement, ERP und Logistik zusammen betrachten: Wie sollen diese Bausteine künftig ineinandergreifen?
Wir haben in den vergangenen Jahren nahezu unsere gesamte digitale Infrastruktur erneuert. Unser Ziel ist ein durchgängiges digitales Ökosystem, in dem Shop, E-Procurement, ERP und Logistik möglichst reibungslos zusammenspielen.Jetzt geht es darum, auf dieser Basis einen hohen Automatisierungsgrad zu erreichen. Denn Automatisierung bedeutet Geschwindigkeit, niedrigere Kosten und weniger manuelle Aufwände. Für unsere Mitglieder heißt das: mehr Effizienz im Tagesgeschäft – und mehr Zeit für ihre eigentliche Stärke, nämlich Beratung, Vertrieb und Kundenbeziehung.
Welche weiteren Digitalisierungsthemen stehen in den kommenden Monaten auf der Agenda – etwa mit Blick auf künstliche Intelligenz, Automatisierung oder datengetriebene Prozesse?
Wir beschäftigen uns intensiv mit Automatisierung, datengetriebenen Prozessen und dem sinnvollen Einsatz künstlicher Intelligenz. KI nutzen wir bereits heute, zum Beispiel in der Entwicklung unserer Shopsysteme und im Vertrieb. Weitere Projekte stehen kurz vor dem Abschluss, darunter die Nutzung von Agenten im ERP-System und die Integration von KI in unsere Beschaffungssoftware. Wir sind überzeugt, dass KI viele Möglichkeiten bietet, unser Tun zu beschleunigen und qualitativ weiter zu verbessern. Im Controlling können KI-Anwendungen künftig klassische Abfragen ersetzen, wenn Mitarbeitende ihre Bedarfe einfach in natürlicher Sprache formulieren. Die technischen Grundlagen dafür schaffen wir derzeit.
Entscheidend ist für uns ein pragmatischer Einsatz neuer Technologien: Sie müssen echten Nutzen schaffen und Prozesse messbar verbessern. Auch für unsere Mitglieder entstehen daraus Chancen. KI kann zum Beispiel helfen, Umsatzpotenziale sichtbar zu machen – nicht nur im Sinne klassischer BI-Auswertungen nach dem Muster „Wer kauft was?“, sondern mit Blick auf zusätzliche Potenziale. Welche Kunden kaufen bestimmte Produkte noch nicht, obwohl sie dafür infrage kämen? Wer nutzt beispielsweise Drucker eines Händlers, kauft dort aber kein Papier?
Eine weitere große Chance sehen wir im Bereich Robotics, insbesondere bei Service- und Reinigungsrobotern. Gemeinsam mit mittlerweile 22 engagierten Mitgliedern treiben wir dieses Geschäftsmodell voran – mit ersten Erfolgen, die sich bereits in Umsätzen niederschlagen.









