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Startseite » Interview » Wie Kaweco Kultstatus und Handel zusammendenkt
Kaweco-Chefin Sandra Tesar über Sammler, DIY-Konzepte und warum stationärer Handel mit Erlebnis und Exklusivität punkten kann.
Sandra Tesar, Managing Director, Kaweco

Tradition trifft Lifestyle

Wie Kaweco Kultstatus und Handel zusammendenkt

Kalender Icon25. März 2026
Autor IconRedaktion

Kaweco verbindet Tradition mit modernem Lifestyle. Managing Director Sandra Tesar spricht über Sammlerleidenschaft, exklusive Handelskonzepte, Messen und die Frage, wie sich der stationäre Fachhandel in einem anspruchsvollen Markt besser positionieren kann.

Sandra Tesar, Sie sind seit 2023 Managing Director bei Kaweco. Haben Sie damit Ihren Traumjob „gefunden“?

Traumjob? Viel mehr … Ich bin inzwischen seit 22 Jahren im Unternehmen und habe in dieser Zeit viele unterschiedliche Bereiche und Positionen durchlaufen. An jeder Station habe ich mich sehr wohlgefühlt – Kaweco bietet ein sehr familiäres Umfeld, in dem man sich gut entwickeln kann. Heute bin ich in der glücklichen Lage sagen zu können, dass ich meine Berufung gefunden habe. Besonders die Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen in der Geschäftsführung macht mir sehr viel Spaß.

Kaweco-Messestand auf der Ambiente 2026 in Frankfurt: Zeit für persönliche Gespräche
Schreibgeräte sind oft mehr als ein nützliches Tool oder nur Accessoire. Haben Schreibgeräte für Sie eine besondere Bedeutung?

Ja, auf jeden Fall. Ich bin praktisch mit Stiften aufgewachsen, da meine Mutter bis zu ihrer Rente bei Staedtler gearbeitet hat. Schon als Kind habe ich gerne gemalt und geschrieben und mit etwa 14 Jahren habe ich mir von meinem Taschengeld meinen ersten Füller gekauft – er ist heute noch in meinem Büro. Für mich ist Handschrift etwas sehr Persönliches, fast wie ein Fingerabdruck. In jedem geschriebenen Wort steckt Persönlichkeit, und alles, was ich mit einem Stift auf Papier schreibe, kann ich mir auch deutlich besser merken.

Was zeichnet die Marke Kaweco aus – für Sie persönlich besonders?

Kaweco steht für mich für weit mehr als klassische Schreibgeräte – unsere Produkte sind vielmehr Lifestyle-Accessoires. Ein Kaweco Sport mit Clip kann durchaus wie ein kleines Schmuckstück am Jackett, Shirt oder an der Bluse getragen werden. Gleichzeitig sind unsere Stifte tägliche Begleiter, die leicht in jede Hosentasche passen und damit immer griffbereit sind. Schon nach der Wiederbelebung der Marke 1994 war Kaweco zunächst weniger im klassischen Schreibwarenhandel vertreten, sondern eher in Lifestyle-Läden und Concept Stores – Manufactum war beispielsweise ein Begleiter der ersten Stunde. Für mich verbindet Kaweco deshalb auf besondere Weise Tradition und Moderne und ist Schreibgerät, Handschmeichler und Inspirationsquelle in einem.

Welche Zielgruppen sprechen Sie mit den Schreibgeräten an – und gibt es echte Fans?

Eine klassische Zielgruppe gibt es bei Kaweco eigentlich nicht. Unsere Fans reichen von Teenagern bis hin zu Menschen weit über 60, welche die Marke teilweise noch aus der Zeit kennen, bevor wir sie 1994 „zurückgebracht“ haben. Besonders beeindruckend ist die internationale Sammlergemeinschaft. Wenn ich Fotos von manchen Sammlungen sehe, bin ich immer wieder begeistert – sowohl von der Leidenschaft als auch von der Vielfalt. Genau diese Sammelleidenschaft hat uns auch zu neuen Konzepten inspiriert, mit denen wir heute den stationären Handel weltweit unterstützen.

Mit welchen Ideen oder Konzepten unterstützen Sie denn den Fachhandel – und vertreiben Sie auch direkt?

Ein besonderes Konzept, das wir gemeinsam mit unserer Sammler-Community entwickelt haben, ist unsere DIY-Aktion „Build your own Kaweco“. Diese gibt es bereits seit über zehn Jahren auf Messen und Events. Seit drei Jahren bringen wir dafür jährlich eine exklusive Sonderfarbe auf den Markt. Die einzelnen Komponenten werden weltweit an Händler verschickt, und die Kunden können sich ihren eigenen Füllhalter vor Ort selbst montieren – genau so, wie es täglich in unserer Montage passiert. Diese Modelle gibt es weder online noch fertig montiert im Handel, und genau diese Exklusivität bringt viele Fans gezielt in den stationären Laden.

In einigen Märkten vertreiben wir unsere Produkte zudem direkt an Händler – vor allem in Ländern, in denen wir noch keinen exklusiven Distributor haben, das Interesse der Händler aber sehr groß ist. Zusätzlich betreiben wir seit der Corona-Zeit einen eigenen Web­shop für Endverbraucher weltweit. Dort sehen wir besonders eine starke Nachfrage nach Zubehör. Das zeigt uns, dass die Flächendeckung im Handel in diesem Bereich vermutlich noch etwas ausgebaut werden könnte.

Welche Händler sind Ihrer Erfahrung nach besonders erfolgreich mit den Kaweco-Sortimenten?

Das lässt sich tatsächlich nicht pauschal beantworten. Es gibt Lifestyle-Läden, in denen Kaweco-Produkte hervorragend laufen – teilweise sogar besser als im klassischen Schreibwarenfachhandel. Gleichzeitig gibt es spezialisierte „Pen & Paper“-Geschäfte, die Kaweco sprichwörtlich „wie geschnitten Brot“ verkaufen. Oft hängt der Erfolg auch vom jeweiligen Land oder der Region ab, da dort bestimmte Schreibsysteme oder Farben stärker gefragt sind. Einen klaren Trend gibt es daher nicht.

Welche Rolle spielen Messen in Ihrem Vertriebskonzept – und auf welchen Messen stellen Sie aus?

Messen und Events sind für uns nach wie vor ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Marken- und Vertriebsarbeit.Wenn Händler und Partner sich die Zeit nehmen, zu einer Messe zu reisen, ist es umso wichtiger, ihnen dort Vielfalt, Inspiration und persönliche Gespräche zu bieten. Für uns ist beispielsweise die Ambiente – früher Paperworld – eine zentrale Plattform. Darüber hinaus versuchen wir neue Zielgruppen zu erreichen, etwa über die didacta oder die Spielwarenmesse. Auch unsere internationalen Partner sind auf wichtigen regionalen Messen präsent.

In vielen Innenstädten gibt es immer weniger Schreibwarenläden und Papeterien. Haben Sie eine Idee, wie sich der Handel künftig besser positionieren könnte?

Ich denke, der Weg könnte stärker in Richtung Erlebnisund Vielseitigkeit gehen. Ein Geschäft, das vielleicht auch ein kleines Café integriert und eine Ecke bietet, in der Produkte ausprobiert werden können, schafft einen Mehrwert gegenüber dem Onlinekauf. Gerade das Ausprobieren und Erleben von Schreibgeräten ist ein großer Vorteil des stationären Handels. Gleichzeitig spielt natürlich auch die Attraktivität der Innenstädte eine Rolle – hier müssen Städte, Handel und Wirtschaft enger zusammenarbeiten.

2024 sind Sie mit Kaweco dem PBS-Industrieverband beigetreten. Welche Rolle spielt die Verbandsarbeit oder die Kooperation mit anderen Herstellern?

Der Beitritt zum PBS-Industrieverband war für uns ein sehr guter Schritt. Gerade in einer zunehmend digitalen Welt müssen wir als Hersteller analoger Produkte immer wieder ein Stück weit umdenken. Der Austausch mit anderen Unternehmen ist dabei enorm wichtig, weil Erfahrungen geteilt und erfolgreiche Ansätze weitergegeben werden können. Ich bin überzeugt, dass wir als Branche vor allem dann gute Chancen für die Zukunft haben, wenn wir zusammenhalten und gemeinsam neue Wege finden.

www.kaweco-pen.com

Firmen & Hersteller:Kaweco
Sortimente & Produkte:Accessoires | Schreibgeräte | Stifte & Zubehör

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