Herr Salzer, Sie haben zum 1. Januar die Nachfolge von Dr. Benedikt Erdmann als Vorstandsvorsitzender bei Soennecken angetreten. Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt – und welche Erfahrungen aus Ihrer beruflichen Laufbahn bringen Sie ein?
Mich reizt an der Aufgabe die Kombination einer starken genossenschaftlichen Gemeinschaft als Basis und der Notwendigkeit zur Veränderung. Soennecken hat eine besondere Kultur und eine beeindruckende Geschichte. Gleichzeitig befinden wir uns in einem Markt, der es erfordert, sich mutig neu auszurichten. Aus meiner bisherigen Laufbahn – viele Jahre in der Top-Managementberatung mit Schwerpunkt Handel sowie als Geschäftsführer bei einem Omnichannel-Sportartikelhändler – bringe ich Erfahrungen im Führen von Transformationen, im Aufbau leistungsfähiger Teams und in der Arbeit mit sehr unterschiedlichen Stakeholdern mit. Und eine große Portion Leidenschaft für Handel.
Was hat Sie in den ersten Wochen bei Soennecken überrascht – positiv wie herausfordernd?
Positiv überrascht hat mich der Teamspirit der Mitarbeitenden. Insbesondere, da Soennecken 2025 durch ein sehr schwieriges Jahr gegangen ist – von der ERP-Einführung bis zu operativen Belastungen durch neue Großkunden. Herausfordernd sind die Themenvielfalt und das Tempo in einem anspruchsvollen Markt. Viele Entwicklungen im Handel und im Bürobedarfsmarkt machen kaum Pause. Das verlangt Fokus und die Bereitschaft, Prioritäten immer wieder neu zu justieren.
Der Wandel der Arbeitswelt verändert den Markt tiefgreifend. Wie bewerten Sie die aktuelle Lage – und wo sehen Sie Chancen, gewachsene Strukturen und Denkweisen zu hinterfragen?
Im Markt sehe ich Chancen, Dinge effizienter anzugehen. Viele Aspekte der Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Händlern sind noch recht traditionell, dabei zeigen andere Branchen wie der Lebensmittelhandel oder die Modeindustrie, wie wichtig kürzere Zyklen und schnelle Sortimentsanpassungen sind. Bei uns in der Bürowelt und Papeterie müssen wir deutlich mehr Tempo machen und stärker auf Trends setzen. Im B2C-Geschäft ist Inspiration Standard – und seien wir ehrlich: Auch im B2B-Bereich darf Bürobedarf ruhig öfter spannend sein und Spaß machen.
Was bedeuten diese Veränderungen für die Genossenschaft, und welche Rolle kann sie dabei als starker Partner des Fachhandels übernehmen?
Für Soennecken lässt sich viel Potenzial aus der genossenschaftlichen Struktur ableiten. Sie verschafft uns enorme dezentrale Vertriebskraft, ein tiefes Kundenverständnis vor Ort und eine starke, dezentrale Marktbearbeitung. Das kann kein Großkonzern leisten. Allerdings macht die genossenschaftliche Struktur Veränderungsprozesse langsamer. Wir können nicht „durchregieren“, sondern nehmen alle Mitgliedsunternehmen auf unsere Veränderungsreise mit. Das erfordert mehr Überzeugungsarbeit – die wir gerade leisten. Anfangs wird es daher etwas länger dauern, Dinge umzusetzen. Wenn wir jedoch gemeinsam Fahrt aufnehmen, hält uns nichts mehr auf.
Welche strategischen Schwerpunkte setzen Sie, um Soennecken im Wettbewerb klar zu positionieren – insbesondere bei Digitalisierung, Kooperationen und den veränderten Anforderungen der Fachhändler?
Einen Schwerpunkt, den ich gemeinsam mit meinem Vorstandskollegen Georg Mersmann setze, ist die Rückbesinnung auf unseren Kern: die Stärkung unserer Mitglieder durch zentrale Bündelung sowie skalierbare Lösungen und Angebote zu wettbewerbsfähigen Konditionen. Hierzu gehören vor allem operative und kommerzielle Exzellenz sowie Sortiments- und Marketingkompetenz. Außerdem unterstützen wir unsere Fachhändler mit digitalen Produkten und innovativen Lösungen wie unserer Shoplösung „YourCommerce“ für den B2B2C-Handel, unserem „YourProcure” als Profi-Plattform für B2B2B-Beschaffungsprozesse sowie unserer digitalen Ausschreibungsunterstützung. Auch intern passiert viel. Wir treiben mehrere Projekte voran, um KI skalierbar einzusetzen. In den kommenden Monaten wird es dazu spannende Neuigkeiten für unsere Mitglieder geben.
Welche Themen haben für Sie aktuell die höchste Priorität, und wo möchten Sie kurzfristig erste Akzente setzen?
Wir blicken auf ein schwieriges Jahr 2025 zurück, in dem operativ und kommerziell nicht alles rund lief bei Soennecken. Bis zum Sommer liegt unser Fokus daher klar auf der Stabilisierung unserer Leistungsfähigkeit, mit Priorität auf Sortiment, Pricing, operative Performance und Vertrieb. Im Anschluss arbeiten wir uns durch ein Programm zur Erneuerung zentraler Aspekte unseres Geschäfts – die finalen Schwerpunkte schärfen wir derzeit noch. Dies bildet dann die Basis für künftiges Wachstum, etwa durch inspirierende Erweiterungen unseres Sortiments für Arbeitswelten, im Bildungsmarkt und in Bereichen wie Robotik.










