DIE FRAGEN:
Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit und verantwortungsvolle Beschaffung in Ihrem Unternehmen?
Welche Rolle spielt das (veränderte) Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und die anstehende Europäische Lieferkettenrichtlinie für Sie?
Dr. Julia Koch, Nachhaltigkeitsmanagerin, Assmann Büromöbel, Melle
Wir handeln zirkulär, agieren regional, schonen Ressourcen und schaffen Transparenz. Zukunftsorientierte Beschaffung, effiziente Lieferketten und der verantwortungsvolle Einsatz von Materialien sind dabei eng miteinander verknüpft. Wir betrachten den gesamten Produktlebenszyklus – von der Auswahl langlebiger Materialien über die Produktion bis hin zu Rücknahme und Wiederverwendungskonzepten.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Spanplatte, die wir unter ökologischen Gesichtspunkten auswählen und verarbeiten. Dabei achten wir auf kurze Transportwege und einen hohen Recyclinganteil. Aufgrund unserer Unternehmensgröße sind wir derzeit nicht unmittelbar vom Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz betroffen. Dennoch erfüllen wir dessen Grundanforderungen freiwillig.
Mit zahlreichen Zertifikaten (ISO 14001, ISO 9001, PEFC, Blauer Engel und FEMB Level 3), unserer extern verifizierten Nachhaltigkeitsberichte sowie selbst auferlegten Sorgfaltspflichten durch Lieferantenbewertung und -audits setzen wir uns für eine verantwortungsvolle und transparente Lieferkette ein. So stellen wir sicher, dass unsere Kunden die geforderten Nachweise gegenüber ihren eigenen Auftraggebern problemlos erbringen können.
Dirk Offermanns, Geschäftsführer Kinnarps, Worms
Nachhaltigkeit ist fest in der DNA von Kinnarps verankert: Von der Auswahl langlebiger, recycelbarer Materialien über eine ressourcenschonende Produktion bis hin zu unserem einzigartigen Liefersystem. Durch den unverpackten Transport auf Deckenwagen vermeiden wir Müll und reduzieren CO₂-Emissionen. Unsere Möbel sind modular aufgebaut und wiederaufbereitungsfähig, was ihre Lebensdauer deutlich verlängert. So ermöglichen wir nachhaltige, wirtschaftlich sinnvolle Einrichtungslösungen.
Für Kinnarps sind transparente, faire und nachhaltige Lieferketten seit jeher ein zentraler Bestandteil der Unternehmensverantwortung. Die gesetzlichen Anforderungen durch das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und die geplante EU-Richtlinie bestätigen diesen Weg und sorgen für eine willkommene Verbindlichkeit im Markt.
Dank hoher Eigenfertigung, stabiler Lieferantenbeziehungen und klar definierter Nachhaltigkeitskriterien erfüllen wir soziale und ökologische Sorgfaltspflichten effektiv. Materialien, Energieverbrauch und Wiederverwertbarkeit werden systematisch bewertet, auch aus Überzeugung für verantwortungsvolles Wirtschaften.
Durch die gezielte Bewertung unserer Materialien und Prozesse in Bezug auf Herkunft, Energieverbrauch, soziale Bedingungen und Wiederaufbereitungsfähigkeit stellen wir sicher, dass nicht nur gesetzliche Mindeststandards eingehalten, sondern nachhaltige Maßstäbe gesetzt werden. Für uns ist das kein zusätzlicher Aufwand, sondern gelebte Verantwortung.
Frank Indenkämpen, Geschäftsführer Novus Dahle, Lingen
Wir als Emco Unternehmensgruppe waren ursprünglich durch die Einführung des CSRD-Berichtsstandards im Jahr 2023 für das Berichtsjahr 2025 berichtspflichtig – also Teil der sogenannten „zweiten Welle“. Aus diesem Grund wurde die Zuständigkeit für das Thema Nachhaltigkeit direkt unterhalb der obersten Geschäftsleitung angesiedelt. Nachhaltigkeit hat für uns durch die gesetzlichen Anforderungen nochmals an Bedeutung gewonnen. Sie war jedoch bereits zuvor in unserem unternehmerischen Handeln in verschiedenen Geschäftsbereichen wie auch in der Novus Dahle GmbH verankert – wenn auch nicht immer für alle sichtbar.
Die neue Berichtspflicht und der CSRD-Standard eröffnen uns neue Perspektiven auf die Erwartungen unterschiedlicher Stakeholder. Gleichzeitig bieten sie eine strukturierte Grundlage, um ESG-Themen gebündelter und verantwortungsvoller zu betrachten. Da wir einen wesentlichen Teil der Wertschöpfungskette unserer Kunden darstellen, haben wir auch unsere eigene Wertschöpfungskette analysiert. Dabei wurden zunächst eine Fit-Gap-Analyse und anschließend eine Wesentlichkeitsanalyse durchgeführt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Bereich Beschaffung – insbesondere im Hinblick auf Ressourcen, Transportwege (Emissionen), Kreislaufwirtschaft sowie Compliance-Themen. Zwar sind wir aufgrund unserer Unternehmensgröße nicht direkt vom Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz betroffen, jedoch unsere Kunden – und damit auch wir über deren Anforderungen.
Wir haben uns daher freiwillig einen eigenen Code of Conduct auferlegt und auch unseren Lieferanten einen Supplier Code of Conduct vorgegeben. Wir legen hierbei Wert auf Transparenz.
Unser größter Handlungsdruck ergibt sich weniger aus gesetzlichen Vorgaben, sondern vielmehr aus den Anforderungen unserer Kunden. Ein zentrales Thema ist für uns die Datenerhebung auf Produktebene – insbesondere in Bezug auf Materialdaten, Recyclingaspekte und Ressourceneffizienz.
Andrea Günther, Geschäftsführerin, Pilot Pen, Hamburg
Nachhaltigkeit ist bei Pilot fest in der Unternehmensphilosophie verankert. Mit der 4R-Strategie – Refill, Reduce, Recycle, Reclaim – betrachten wir den gesamten Lebenszyklus jedes Schreibgeräts. Schon vor rund 20 Jahren entstand daraus unsere BeGreen-Range: nachfüllbare Stifte aus recyceltem Material, geprüft und klimakompensiert. So setzen wir Maßstäbe für verantwortungsvolles Schreiben. Für Pilot sind Verantwortung und Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette zentrale Unternehmensprinzipien.
Da wir nahezu alle Produkte in eigenen Werken in Japan und Frankreich herstellen, verfügen wir über maximale Kontrolle über Qualität, Umwelt- und Sozialstandards. Unsere Lieferanten werden sorgfältig nach ethischen und ökologischen Kriterien ausgewählt – bereits heute unterzeichnen sie unsere Responsible Purchasing Charter. Mit den Zertifizierungen (EMAS, ISO 14001, EcoVadis Gold) und der Verpflichtung zum UN Global Compact sind wir gut vorbereitet, die Anforderungen der EU-Lieferkettenrichtlinie aktiv zu erfüllen – und oft schon einen Schritt voraus.
Michael Ruhnau, Vorstandstandsvorsitzender, Handelsverband Wohnen und Büro, Köln
Nachhaltigkeit und verantwortungsvolle Beschaffung sind für unsere Mitglieder zentrale Themen. Das Omnibusverfahren soll kleine Unternehmen entlasten, indem die Berichtspflichten nur noch für sehr große Firmen gelten. Doch in der Praxis greift diese Vereinfachung kaum. Große Unternehmen wälzen ihre Pflichten auf kleinere Partner ab und verlangen Nachweise für Nachhaltigkeitsberichte oder Daten für das Lieferkettengesetz.
Der Effekt ist ein klarer Spillover-Effekt: KMU müssen trotz Ausnahmeregeln die gleichen Standards erfüllen, wenn sie im B2B-Geschäft bleiben wollen. Das ist das Gegenteil von Entlastung und läuft dem politischen Anspruch zuwider. Die entscheidende Frage lautet daher: Wie will der europäische und nationale Gesetzgeber verhindern, dass die gut gemeinten Erleichterungen ins Leere laufen? Solange diese Lücke nicht geschlossen wird, bleibt das Versprechen der Vereinfachung ein Papiertiger – und die Realität für KMU ist weiterhin unverhältnismäßig belastend. Die Politik ist aufgefordert, ein nationales Gold-Plating bei Gesetzen aus Brüssel zu unterlassen. Gesetze müssen wie in anderen Mitgliedstaaten 1:1 umgesetzt werden.“
Jan Geier, Leiter Supply-Chain-Management, Steinbeis Papier
Für Steinbeis Papier sind Nachhaltigkeit und verantwortungsvolle Beschaffung gelebte Unternehmensphilosophie und tief in unserer DNA verankert. Unser Fokus liegt auf einer transparenten Lieferkette, weshalb wir unsere A- und B-Lieferanten jährlich nach strengen ESG-Kriterien wie Umwelt- und Energieeffizienz sowie sozialen Standards bewerten.
Zudem nutzen wir die Plattform Synesgy für die externe ESG-Bewertung wichtiger Partner, deren Ergebnisse direkt in unser Risikomanagement und die Lieferantenentwicklung einfließen. Wir fördern aktiv Dekarbonisierungsprojekte (Scope 3) und stärken durch Kooperationen mit zertifizierten europäischen Partnern die regionale Wertschöpfung.
Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und die kommende EU-Richtlinie sehen wir als Bestätigung unseres langjährigen Handelns und unterstützen diese ausdrücklich. Unsere etablierten und zertifizierten Managementsystem (ISO 9001, 14001, 45001, 50001) gewährleisten bereits heute die geforderte Transparenz und Sorgfalt in den Bereichen Compliance, Arbeits- und Umweltschutz. So leben wir Verantwortung und schaffen eine verlässliche, nachhaltige Wertschöpfung „Made in Europe“.
Burkhard Remmers, Unternehmenssprecher, Wilkhahn, Bad Münder
Als Umweltpionier der Büromöbelbranche wurden wir 1996 mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet, zur EXPO 2000 veröffentlichten wir den ersten Nachhaltigkeitsbericht und seit 2001 lassen wir uns jährlich nach EMAS zertifizieren. Von Anfang an schloss das ökologische Design-Konzept die Lieferketten ein. Weil wir häufig neue Wege bei Materialien und Verarbeitung gehen, entwickeln wir in partnerschaftlicher Kooperation mit Zulieferern.
Kurze Wege sind dann ebenso wichtig wie die Verständigungsmöglichkeiten. So beziehen wir über 95 Prozent unserer Teile aus Deutschland und Europa. Seit 2009 gilt bei uns ein Rahmenvertrag mit der International Labour Organisation zur Förderung von Umwelt- und Sozialstandards sowie Arbeitnehmerrechten. Unsere Lieferantenaudits schließen daher neben Qualitätsprüfungen sozial-ökologische Kriterien ein. Wer hier gut performt, der hat in der Regel auch seine Prozesse im Griff. Für uns sind die neuen Regelungen zu den Lieferketten daher keine großen Herausforderungen.
















