Künstliche Intelligenz hat sich in kurzer Zeit rasant verbreitet, doch der tatsächliche Nutzen bleibt häufig hinter den Erwartungen zurück. Einer MIT-Studie zufolge scheitern 95 Prozent der KI-Pilotprojekte, weil es zwar Tool-Adoption, aber kaum echte Prozessintegration gibt. Standard-Chatbots werden eingesetzt, ohne tief in bestehende Workflows eingebunden zu sein – mit Folgen für Effizienz, Datenschutz und Datensicherheit.
Für das laufende Jahr zeichnet sich laut d.velop ein Wandel ab: Spezialisierte, native KI-Integrationen sollen Mitarbeitende direkt in ihren gewohnten Anwendungen unterstützen. Gleichzeitig gewinnen KI-Agenten an Bedeutung. Sie gehen über eine starre regelbasierte Automatisierung hinaus, bewerten eigenständig Situationen, entwickeln Lösungsoptionen und bereiten Handlungen vor. Damit markieren sie einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Automatisierung.
Digitale Souveränität wird geschäftskritisch
Geopolitische Spannungen und strengere Regulierung rücken die Frage der digitalen Abhängigkeiten zunehmend in den Fokus. Der Wunsch nach europäischen Alternativen zu US-dominierten Cloud- und Software-Angeboten wächst – nicht nur im öffentlichen Sektor, sondern auch in der Wirtschaft.
Ein prägnantes Beispiel ist die eingeschränkte Nutzung von Microsoft-Diensten durch Vertreter des Internationalen Strafgerichtshofs im vergangenen Jahr. Solche Vorfälle verstärken das Bewusstsein für Risiken. Parallel entstehen immer mehr europäische Cloud-Angebote, die regulatorische Anforderungen erfüllen. Für 2026 erwarten die Experten, dass zahlreiche SaaS-Lösungen auch als „Hosted-in-Europe“-Varianten verfügbar sein werden.
Digitale Identitäten: Die Wallet kommt
Bis Ende 2026 müssen alle EU-Mitgliedsstaaten ihren Bürgerinnen und Bürgern eine kostenfreie digitale Identitäts-Wallet bereitstellen. Grundlage ist die novellierte eIDAS-Verordnung, die die Einführung der European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet) vorsieht.
Mit der Anbindung an die BundID eröffnet sich erhebliches Potenzial für eine effizientere Verwaltung und weniger Medienbrüche. Auch Unternehmen profitieren, etwa durch vereinfachte KYC-Prozesse im Finanzwesen. Voraussetzung ist allerdings, dass Behörden und Unternehmen frühzeitig Schnittstellen schaffen und sich technisch auf die neue Infrastruktur vorbereiten.
AI Act: Regulierung wird verbindlich
Mit dem AI Act, der im August 2024 in Kraft trat, verfügt die EU erstmals über ein umfassendes Regelwerk für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Der risikobasierte Ansatz unterscheidet zwischen unzulässigen, hohen, transparenten und minimalen Risiken. Bereits seit Februar 2025 gelten Verbote für Anwendungen mit unzulässigem Risiko.
Im August 2026 endet die nächste zentrale Umsetzungsfrist: Hochrisiko-KI-Systeme müssen dann umfangreiche Anforderungen erfüllen – von Risikomanagement über Datenqualität bis hin zu menschlicher Aufsicht. Die Verantwortung liegt nicht nur bei den Anbietern, sondern auch bei den anwendenden Unternehmen. Für IT-Entscheider bedeutet das: Compliance, Dokumentation und technische Anpassungen müssen jetzt vorbereitet werden.







