Der Nordstern als Symbol für Orientierung
Der Nordstern diente über Jahrhunderte als Orientierungspunkt. Dieses Bild griff Axel Gottstein, Geschäftsführer von Sigikid und Mitglied des EVL-Vorstands, zum Auftakt der Arbeitstagung auf. In einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit, überbordender Regulatorik, gesellschaftlichen Wandels und rasanter technologischer Entwicklung brauche die Branche klare Orientierung.
Gottstein formulierte fünf Thesen zur Zukunft der Konsumgüterbranche: Die Mitte verliere an Bedeutung, erfolgreich seien künftig vor allem besonders preiswerte oder besonders begehrenswerte Angebote. Konsumenten kauften weniger, aber bewusster. Charakter und Wiedererkennbarkeit würden wichtiger als breite Sortimente. Design werde emotionaler, bunter und auffälliger. Zudem gewinne Gemeinschaft an Bedeutung, weil Vertrauen zur knappen Ressource im Marketing werde.
„In den vergangenen 20 Jahren ging es um immer mehr Effizienz. Jetzt geht es um Emotionen – und diesmal wirklich. Aber genau damit kennt sich unsere Branche aus wie kaum eine andere“, so Gottstein.
KI im rasanten Fortschritt
Ein zentrales Thema war die schnelle Entwicklung Künstlicher Intelligenz. Gottstein verwies auf leistungsfähigere Sprachmodelle, KI-Agenten, Video-KI, multimodale Anwendungen und die Integration von KI in Arbeitsprozesse. Für die Konsumgüterbranche sei besonders relevant, dass KI künftig stärker als persönliche Einkaufsberaterin der Verbraucher auftrete. Damit veränderten sich Sichtbarkeit und Vertrauen. Neben SEO gewinne deshalb AEO – Answer Engine Optimization – an Bedeutung.
Wissen bewahren, bevor es verloren geht
Gürkan Ünlü, Gründer und Geschäftsführer der Ahead& GmbH, beschäftigte sich mit der zunehmenden „Unternehmensdemenz“. In den kommenden Jahren drohe viel Wissen aus Unternehmen verloren zu gehen, wenn Mitarbeitende in den Ruhestand wechseln. Ünlü plädierte für eine aktive Erinnerungskultur und die Funktion eines „Knowledge Steward“, der Wissen strukturiert dokumentiert, vernetzt und verfügbar macht. KI könne dabei helfen, Unternehmenswissen langfristig zu sichern und nutzbar zu machen.
Veränderung braucht Führung
Andreas Gebhardt widmete sich dem Change Management. Er zeigte, warum Veränderungsprozesse häufig scheitern und welche Voraussetzungen Unternehmen schaffen müssen, um Wandel erfolgreich zu gestalten. Mit dem Bild des Jonglierens verdeutlichte er die Herausforderungen permanenter Veränderung. Seine Botschaft: „Wer zu lange abwartet, verliert wertvolle Zeit. Der beste Moment für Weiterentwicklung ist jetzt. Das Risiko von heute ist die Sicherheit von morgen.“
Marktplätze und Messeperspektiven
Am zweiten Veranstaltungstag sprach Daniel Zander, Head of Growth bei Nmedia, über die starke Zunahme des Direct-to-Consumer-Geschäfts. Immer mehr Marken setzten auf den Direktvertrieb über Marktplätze wie Amazon, Otto, eBay oder Kaufland. Die technische Anschlussfähigkeit an unterschiedliche Daten-, Logistik- und Retourenanforderungen bleibe dabei eine zentrale Herausforderung. Anschließend gab das Team der Messe Frankfurt einen Ausblick auf Ambiente und Christmasworld 2027.
Best Practices aus der Mitgliedschaft
Praxisbeispiele lieferten Stefan Koziol und Florian Berger. Koziol berichtete über die kontinuierliche Neuerfindung der Marke Koziol und die Bedeutung von Innovationskraft. Berger zeigte, wie sich Donkey Products vom Produktanbieter zu einem Content- und Eventhaus entwickelt hat – mit Podcasts, Newslettern und Live-Talk-Formaten als zusätzliche Berührungspunkte zur Zielgruppe.
Der gemeinsame EVL-Nordstern
Der EVL zählt aktuell 154 Mitglieder. Neu hinzugekommen sind Hergo Creation, Saico Seiffen, Wondercandle sowie Vito & Joe. Asa Selection ist als EVL-Gründungsmitglied wieder beigetreten.
„Der Nordstern mag für jeden etwas anders aussehen. Doch unsere diesjährige Verbandstagung hat gezeigt, dass wir alle von einer gemeinsamen Perspektive profitieren: vom offenen Austausch über Ideen und Strategien sowie vom Mut, Veränderungen aktiv anzugehen. Genau das macht unseren Verband aus“, fasst EVL-Geschäftsführerin Heike Tscherwinka zusammen.







