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Nachhaltige Beschaffung bekommt ein Gesicht

Kalender Icon24. November 2016
Autor IconRedaktion

Nachhaltige Beschaffung ist aktuell ein Thema, an dem kein Unternehmen, egal welcher Größe, mehr vorbeikommt. Doch was sich dahinter wirklich verbirgt und was das für die einzelnen Stationen der Supply Chain bedeutet, das wissen nur die Wenigsten. Der textile Serviceanbieter CWS-boco, der seit 2016 zwei Berufskleidungskollektionen mit zertifizierter Fairtrade-Baumwolle anbietet, hat Shailesh Patel, Vertreter der produzierenden Baumwollbauern in Indien, eingeladen und nachhaltiger Beschaffung so ein Gesicht gegeben.

CWS-boco entwickelt eine Vielzahl seiner Produkte selbst. Nicht nur dadurch kann das Unternehmen seine Lieferkette einwandfrei nachvollziehen und kontrollieren. Darüber hinaus hat das Unternehmen 2012 einen Verhaltenskodex für seine Lieferanten etabliert, den inzwischen über 96 Prozent der Firmen unterschrieben haben. Die Einhaltung dieses Code of Conduct und der ökologischen und sozialen Richtlinien wird bei den Produzenten regelmäßig durch interne sowie externe, zertifizierte Auditorenteams kontrolliert.

Untersucht werden dabei Kriterien wie faire Löhne, Arbeitszeiten, Verbot von Kinderarbeit, Umweltschutz oder Arbeitssicherheit. CSR-Vertreter von CWS-boco reisen regelmäßig zu sämtlichen Lieferanten und Produktionsstätten des Unternehmens. Sie sorgen dafür, dass die nachhaltige Lieferkette funktioniert und die Anforderungen hinsichtlich Nachhaltigkeit erfüllt werden.

"Wir können darlegen, woher unsere Berufskleidung oder die Stoffhandtuchrollen kommen und unter welchen Bedingungen sie gefertigt wurden", sagt Dirk Baykal, CSR-Koordinator der CWS-boco Supply Chain Management GmbH, die für Beschaffung, Produktentwicklung und Supply Chain Management zuständig ist.

Besuch aus Indien

Um auch den Mitarbeitern in Deutschland zu zeigen, welche Auswirkungen nachhaltige Beschaffung haben kann, besuchte Shailesh Patel, Bauernvertreter der Bauernkooperative Rapar And Dhrangadhra Farmers Producer Company Limited in der Region Rapar und Dhrangadhra im Bundesstaat Gujarat im Norden Indiens, die deutsche CWS-boco Firmenzentrale in Dreieich bei Frankfurt am Main.

Die Kooperative besteht aus 497 Mitgliedern. CWS-boco nimmt nach eigenen Angaben 2016 hundert Tonnen Rohbaumwolle aus fairem Anbau für die Herstellung seiner Berufskleidung ab. Dies entspricht dem Produktionsvolumen von hundert Baumwollbauern pro Jahr. Patel erzählte vom Leben und Arbeiten in der Bauerngemeinschaft.

"Wir legen höchsten Wert auf die Transparenz in unserer Lieferkette. Nun persönlich einen Vertreter unserer Baumwollproduzenten kennenzulernen, ist eine spannende Erfahrung", erklärt Max Teichner, CEO der CWS-boco Gruppe. Patel besichtigte eine Wäscherei, in der CWS-boco Berufskleidung für seine Kunden wäscht und war begeistert von der Technik. "Schön, dass die Kleidung so lange genutzt und gepflegt wird". Denn das Unternehmen bietet seinen Kunden die Berufskleidung im Mietservice und bereitet diese immer wieder in seinen Wäschereien auf.

Patel, der in seiner Heimat als Projekt Manager der Bauernkooperative agiert, kümmert sich um die Gemeinschaftsprojekte der Kooperative. Denn die Organisation Fairtrade zahlt den Bauern einen festen Mindestpreis für die Baumwolle und zusätzlich eine Fairtrade-Prämie für Soziales, Infrastruktur und Bildung, die der gesamten Gemeinschaft zugute kommt.

"Ein Projekt, das wir mit der Fairtrade-Prämie umsetzen konnten, war der Kauf von Schuluniformen für die Kinder der Baumwollproduzenten. Auch erhalten die Bauern regelmäßig Schulungen. Sie lernen etwa wie sie aus Pflanzen Biodüngemittel herstellen oder Erntehilfen einsetzen können", so Patel.

Mit Berufskleidung aus Fairtrade-Baumwolle können Unternehmen für eine höhere wirtschaftliche Stabilität und eine Stärkung des Selbstvertrauens und der Würde vieler Menschen beitragen. 

www.cws-boco.de 

CWS-boco kauft rund hundert Tonnen Rohbaumwolle aus fairem Anbau für die Herstellung von Berufskleidung von der indischen Bauernkooperative Rapar And Dhrangadhra Farmers Producer Company Limited.
Nachgefragt bei Caroline Zamor von Fairtrade Deutschland

Welche Möglichkeiten bietet Fairtrade Unternehmen ihre textile Lieferkette nachhaltig zu gestalten?

Es gibt unterschiedliche Modelle wie Partner mit uns zusammenarbeiten können. Zwei dieser Modelle fokussieren sich auf die Baumwolle und das neueste auf die Verarbeitung in der Textillieferkette. Für Baumwolle gibt es Fairtrade-Certified-Cotton und das Fairtrade- Cotton-Programm. Das Fairtrade-Certified-Cotton-Siegel steht dafür, dass 100 Prozent der Baumwolle im Produkt Fairtrade­ zertifiziert sind. Beim Fairtrade- Cotton­-Programm entscheiden sich Unternehmen eine vereinbarte Menge Baumwolle unter Fairtrade­Bedingungen zu beschaffen – ausgerichtet an ihren Nachhaltigkeitszielen. Der Fairtrade-Textilstandard legt für die gesamte textile Lieferkette soziale, ökologische und ökonomische Kriterien fest, die über die ILO­Kernarbeitsnormen hinausgehen. Das Textilprogramm, das den Standard begleitet, unterstützt die Unternehmen bei der Umsetzung von Verbesserungen vor Ort.

Wie hoch ist der Anteil an Fairtrade-Baumwolle am Gesamtvolumen?

Am Weltmarkt beträgt der Anteil von Fairtrade-Baumwolle am Gesamtvolumen circa 0,7 Prozent. Fairtrade arbeitet täglich mit Unternehmen daran diesen Anteil kontinuierlich zu steigern.

Seit wann gibt es den internationalen Fairtrade-Baumwoll-Standard?

Der internationale Fairtrade-Baumwoll-Standard wurde 2005 eingeführt. Im gleichen Jahr gab es die ersten zertifizierten Kooperativen in Westafrika und Indien.

Welche Probleme gibt es beim Handel mit Fair­trade-Baumwolle?

Es gibt unterschiedliche Hindernisse, die den Einsatz von Fairtrade-Baumwolle komplizierter machen. Zum einen ist es die Tatsache, dass die textile Lieferkette an sich sehr lang ist und viele Akteure beteiligt sind. Das bringt Zertifizierungsaufwand mit sich und einige Abstimmung. Zum anderen ist Fairtrade-Baumwolle nicht zu jeder Zeit verfügbar, da sie nur einmal im Jahr geerntet wird und die Baumwoll-Produzenten ihre Baumwolle auch unter konventionellen und nicht unter Fairtrade-Bedingungen verkaufen, wenn die Nachfrage nach zertifizierter Baumwolle nicht groß genug ist.

Wer entscheidet was mit der Fairtrade-Prämie vor Ort umgesetzt wird?

Über die Verwendung der Prämie entscheiden die Mitglieder der Kleinbauernorganistion demokratisch auf der Vollversammlung.

www.fairtrade-deutschland.de 

Der durchschnittliche Fairtrade-Baumwollbauer kultiviert 1,1 Hektar Land. Fairtrade-Baumwolle kommt aus acht Ländern: Ägypten, Burkina Faso, Indien, Kirgistan, Tajikistan, Mali, Uganda und dem Senegal.
Firmen & Hersteller:CWS Hygiene
Sortimente & Produkte:Arbeitskleidung | Mietservices

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