Mit der Schlüsselübergabe für eine instandgesetzte Bestandshalle auf dem Leipa-Werksgelände hat der physische Aufbau der Anlage begonnen. Vorausgegangen war eine im September 2025 verkündete Kooperation zwischen OutNature, einer Marke des Kreislaufwirtschaftsunternehmens PreZero, und dem brandenburgischen Papierhersteller Leipa. Beide Unternehmen wollen Getreidestroh als Alternative zu Frischholzfasern etablieren und damit laut eigener Darstellung die Abhängigkeit von zunehmend knappen Holzressourcen reduzieren.
Thermomechanisches Verfahren für 7000 Tonnen jährlich
Die Anlage soll mit einem thermomechanischen Aufschlussverfahren arbeiten. Nach Angaben von OutNature-Geschäftsführer Michail Ginsburg dient sie dazu, Ressourcen aus dem Einzugsgebiet in strategische Rohstoffe für die Papierherstellung umzuwandeln. Die Beschaffung des Strohs erfolgt aus dem unmittelbaren Umkreis des Standorts, wodurch sich transportbedingte CO₂-Emissionen laut Unternehmen gezielt senken lassen.
Produktentwicklungsuntersuchungen sollen belegen, dass die Strohfasern Festigkeitswerte erreichen, die eine Annäherung an Frischfaser-Eigenschaften ermöglichen. Da Getreide jährlich angebaut wird, steht der Reststoff nach Darstellung von OutNature in großen Mengen zur Verfügung, ohne dass neue Anbauflächen benötigt werden. Damit entfalle die Flächenkonkurrenz, die bei anderen nachwachsenden Rohstoffen auftreten kann.
Erstes Produkt „Leipa Synergy“ für Q2/2027 geplant
Als erstes marktfähiges Produkt aus der Partnerschaft ist „Leipa Synergy“ vorgesehen, das Ende des zweiten Quartals 2027 verfügbar sein soll. Das Papier ist als hochwertige Alternative zu Kraftliner positioniert und kombiniert Strohfasern mit Recyclingfasern. OutNature spricht in diesem Zusammenhang von einer kaskadischen Verwertung landwirtschaftlicher Reststoffe.
Die Einsatzgebiete liegen laut Unternehmen vor allem im Verpackungssegment, etwa bei Wellpappe und Displays. Markenhersteller sollen so Verpackungen einsetzen können, die eine Alternative zu rein holzbasierten Papieren darstellen und dabei die branchenüblichen Qualitätsstandards einhalten. Antonio Bellante, CEO der Leipa Group, bezeichnet die Partnerschaft als Beleg der Innovationskraft am Standort Schwedt und verweist auf eine technologische Transformation der Papierindustrie.
Weitere Rohstoffquellen im Portfolio
OutNature versteht sich als Pionier bei der Nutzung der Durchwachsenen Silphie als alternativer Rohstoffquelle für die Papierindustrie. Zudem ist das Unternehmen der toMOORow-Initiative beigetreten, die sich mit Moorwiedervernässung und der Gewinnung von Paludi-Biomasse als weiterem nachwachsenden Rohstoff befasst. Neben Papier forscht OutNature nach eigenen Angaben auch an zusätzlichen Einsatzgebieten für Naturfasern. Leipa ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen mit einer über 175-jährigen Geschichte und bietet Produkte in den Bereichen Papier und Verpackungen an.







