Viele Organisationen haben keinen vollständigen Überblick darüber, welche KI-Tools ihre Mitarbeitenden tatsächlich einsetzen. Laut Bitdefender-Report 2026 geben 51,8 Prozent der international Befragten an, die Nutzung genehmigter und nicht genehmigter KI vollständig zu überblicken. In Deutschland liegt der Wert bei 52 Prozent.
Gleichzeitig bestätigen 47,4 Prozent weltweit und 43 Prozent in Deutschland nur eine teilweise Sichtbarkeit über Schatten-KI-Tools oder private Nutzerkonten im geschäftlichen Einsatz. Auffällig ist der Unterschied zwischen Management und Praxis: 57,8 Prozent der Führungskräfte gehen von vollständiger Sichtbarkeit aus, aber nur 45,9 Prozent der Sicherheitsanwender teilen diese Einschätzung.
Interne KI-Systeme und Cloud im Fokus
Als besonders gefährdete Umgebungen nennen 45 Prozent der Befragten interne KI-Systeme und Large-Language-Modelle. Knapp dahinter folgen Cloud-Infrastrukturen und Anwendungsumgebungen mit 44 Prozent. Systeme für Identity and Access Management kommen auf 33,3 Prozent.
In Deutschland stehen interne KI-Systeme und LLMs ebenfalls an erster Stelle, allerdings mit 41 Prozent. Cloud-Infrastrukturen folgen mit 39 Prozent. Danach nennen die deutschen Befragten IoT-, OT- oder Komponenten kritischer Infrastruktur sowie Legacy-On-Premise-Systeme, Software-Lieferketten und SaaS-Anwendungen.
Sicherheitsvorfälle werden weiter verschwiegen
Mehr als die Hälfte der Befragten, die in den vergangenen zwölf Monaten von einem Sicherheitsereignis oder einer Datenoffenlegung betroffen waren, wurden laut Studie aufgefordert, den Vorfall vertraulich zu behandeln. Weltweit liegt der Anteil bei 55,2 Prozent, in Deutschland und Großbritannien jeweils bei 57,2 Prozent. 2023 lag der internationale Wert noch bei 42 Prozent.
Der Druck betrifft Management und Sicherheitspraxis nahezu gleichermaßen: 56,8 Prozent der Manager und 53,5 Prozent der Cybersicherheitspraktiker berichten von entsprechenden Aufforderungen.
Unerlaubter Zugriff als häufigste Ursache
Die Ergebnisse verdeutlichen die Risiken durch KI und Cloud-Angriffe besonders deutlich: Häufigste Ursache für Sicherheitsereignisse war unerlaubter Zugriff auf Cloud-Infrastrukturen oder Anwendungen. Weltweit nennen dies 41,8 Prozent der Betroffenen, in Deutschland sogar 49 Prozent.
An zweiter Stelle folgt Business E-Mail Compromise mit 35,9 Prozent. Ransomware kommt international auf 25,6 Prozent, in Deutschland auf 21,5 Prozent. Zudem haben 59,2 Prozent der Befragten weltweit im vergangenen Jahr KI-getriebene Social-Engineering-Angriffe beobachtet. Deutschland liegt hier mit 66 Prozent hinter den USA mit 71,2 Prozent.
Reduktion der Angriffsfläche bleibt schwierig
Organisationen kennen die Risiken, kämpfen aber weiter mit der Reduktion ihrer Angriffsfläche. Als größte Hürde nennen 38 Prozent der Befragten die hohe Belastung durch Wartung und Verwaltung gehärteter Regeln und Ausnahmen. In Deutschland liegt der Wert bei 38,5 Prozent.
Weitere Herausforderungen sind die Sorge, den laufenden Betrieb zu unterbrechen, begrenzte Ressourcen für Alerts und Systemhärtung, Schwierigkeiten bei der Absicherung von Legacy-Systemen sowie Sichtbarkeitslücken bei notwendigen Tools.
Datensouveränität wird zum Auswahlkriterium
Datensouveränität gewinnt bei der Auswahl von Cybersicherheitsanbietern an Bedeutung. 76,1 Prozent der Befragten würden wahrscheinlich den Hersteller wechseln, wenn sie Bedenken zur Datensouveränität, zur Rechtsprechung oder zu möglichen Zugriffen ausländischer Regierungen hätten. In Deutschland liegt dieser Wert bei 77 Prozent.
Besonders hoch ist die Wechselbereitschaft in den USA mit 87 Prozent und in Großbritannien mit 85 Prozent.
Deutsche Sicherheitsprofis bewerten KI-Risiken niedriger
KI-Risiken werden international überwiegend als hoch oder sehr hoch eingestuft. Die größte Sorge gilt Hackern, die KI nutzen, um sich selbst anpassende Malware zu erzeugen. Weltweit nennen dies 55,9 Prozent der Befragten, in Deutschland 47 Prozent.
Es folgen Risiken durch Mitarbeitende, die sensible Daten in öffentlichen LLMs offenlegen, KI-Techniken zur Umgehung herkömmlicher Endpoint Detection and Response sowie Deepfakes oder Voice Cloning im Rahmen von Business E-Mail Compromise. Auch hier liegen die deutschen Werte jeweils unter dem internationalen Durchschnitt.
Für den Bitdefender-Report 2026 beauftragte Bitdefender das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Censuswide. Befragt wurden 1.201 IT- und Sicherheitsprofessionelle in Unternehmen ab 500 Mitarbeitenden in Deutschland, Frankreich, Italien, Singapur, Großbritannien und den USA. Die Befragung und Analyse erfolgten von April bis Juni 2026.







