Die Liedzeile aus „You’re on Your Own, Kid“ auf dem 2022er Album „Midnights“ hat die Fans der US-Musikerin weltweit dazu angeregt, selbst kreativ zu werden und Armbänder (bracelets) zu knüpfen. Diese waren besonders bei den Konzerten ihrer „The Eras“-Tour mit Auftritten in drei deutschen Städten beliebt, wofür die Bänder nicht nur angefertigt, sondern jeweils im Konzertumfeld unter den Fans getauscht, aber auch an die verschenkt wurden, die noch kein Armband hatten. Das Phänomen hat eine soziale Komponente – viele Fans kommen so gleich miteinander ins Gespräch, man kann sich über die Gemeinsamkeiten als Fans und über die Musik des Idols unterhalten. Außerdem bleiben durch das Weiterschenken der Bänder auch diejenigen Swifties nicht außen vor, die kein Ticket zu einem der Konzerte mehr ergattern konnten.
Rund um den Schmucktrend bieten Verlage Sets und Bücher für die speziellen Bracelets, Social-Media-Plattformen sind voll von Videos und Tutorials als Anleitung zum Bändchenbasteln. Die Armbänder sind Symbol für die Begeisterung und werden daher mit Buchstabenperlen gestaltet, die sich auf den Star beziehungsweise Textzeilen aus Songs, Album-Titeln oder die Namen ihrer Katzen beziehen. Dadurch sind die Bracelets nicht nur eine DIY-Idee, sondern sie demonstrieren die Verbundenheit der Fans untereinander und mit ihrer „Ikone“. Das Styling reicht dabei von Einzelstücken bis hin zu komplett mit Bracelets geschmückten Unterarmen.
Volles Taylor-Swift-Programm in Gelsenkirchen
Besonders in Gelsenkirchen wurde der Hype um die US-Sängerin gefeiert – und damit brachte es die für die drei Konzerttage in „Swiftkirchen“ umbenannte Ruhrmetropole mit vielen Aktivitäten in die internationalen Medien. So standen diese drei Sommertage mit einem bunten Programm mitten in der Stadt ganz im Zeichen der Swift-Konzerte. Nicht nur wegen des steigenden Swift-Fiebers, sondern auch wegen vieler Anfragen an die Stadt und die Marketingverantwortlichen der City-Initiative wurde ein „Taylor Town“ genannter Markt auf dem zentral gelegenen Heinrich-König-Platz relativ kurzfristig auf die Beine gestellt. Einzige Bedingung zur Mitwirkung war, dass nur verkauft oder angeboten werden sollte, was unmittelbar mit Taylor Swift zu tu hatte. So konnten die Fans ihre Swift-Lieblingssongs in Karaoke-Sessions zum Besten geben. Zudem sorgte ein DJ-Set für die passende Stimmung mit musikalischen Highlights. Manche Fans zog es in den Walk-In-Tattoo-Stand. Eine Siebdruck-Firma bot vor Ort gefertigte Swift-Shirts oder -Taschen an. Kunsthandwerkliche Anbieter präsentierten Armbänder oder das Kreativmaterial dafür und/oder Mitmach-Angebote. Das in den Konzertstädten übliche Merchandisingzelt mit Fan-Artikeln aller Art fehlte ebenso wenig wie Kulinarisches in Form der für den Anlass „erfundenen“ Taylor-Kuchen, -Eissorten oder -Getränke.
Gefragte Bastelsets und Swift-Bücher
Am bunten Treiben war auch die Buchhandlung Kottmann mit ihrer Niederlassung in der Gelsenkirchener Altstadt beteiligt, berichtet Christina Njehu im Gespräch mit Cutes&Friends. Die Geschäftsführerin und ihr Team hatten sich spontan für die Idee der „Taylor Town“ begeistert, zumal die am Ort des Geschehens gelegene Buchhandlung beste Voraussetzungen bot, schnell und unkompliziert mitzuwirken. Dafür wurde allen Ausstellenden pagodenartige Zelte vom Stadtmarketing zur Verfügung gestellt, im Fall der Buchhandlung Kottmann konnte das 16 Quadratmeter große Zelt sogar direkt vor dem Ladengeschäft platziert werden.
„Wir haben in unserer Pagode, die wir im Taylor-Style inklusive Pappaufsteller und Discokugel dekoriert hatten, inklusive Pappaufsteller und Discokugel, jede Menge der entsprechenden Swift-Bücher, Schmucksets und Anleitungsbücher zu den Armbändern verkauft. Was es noch im Laden gab, hatten wir in unseren Stand geräumt. Zum Glück hatten wir schon im Vorfeld rechtzeitig eingekauft und dadurch eine große Auswahl zu bieten.“ Am Stand der Buchhandlung Kottmann „waren die Bracelet-Bücher am schnellsten abverkauft“, sagt Christina Njehu, die Ende des Jahres Inhaberin der Buchhandlung wird. „Ich habe jeden Tag in großer Stückzahl nachbestellt – zum Glück war unser Großhändler noch gut bevorratet, und die Abendbestellungen bis 19 Uhr kamen schon in der Früh um 4 Uhr morgens bei uns an.“
In Ergänzung zu den Kreativmaterialien waren im ganzen Marktbereich für die Fans, die zum Teil keine Tickets mehr bekommen hatten und so ihre Swift-Zeit auch ohne Konzertbesuch erleben konnten, zusätzlich Biergarnituren als Sitzmöglichkeiten aufgebaut. Alle Treffpunkte im Marktbereich wurden von den Swifties genutzt, um gemeinsam Bändchen zu basteln, ihren Schmuck zu tauschen oder zu verschenken sowie zu plauschen.
Kreativ-Angebote auch in Hamburg
Auch in Hamburg machte Popstar Taylor Swift im Juli Halt auf ihrer „The Eras Tour“. Um dem kreativen Fan-Trend zu frönen, konnten sich Interessierte in privat oder gewerblich organisierten Basteltreffs sowie in der Bücherhalle Altona auf der Veranstaltung „Aufgepasst Swifties! Hold on to the Memories“ über das Erlebte austauschen und zugleich die Schmuckbänder anfertigen sowie Taschen oder Collagen aus den Konzerterinnerungen gestalten.
Star-Kult als Wirtschaftsfaktor
Die riesige Fangemeinde der 34-jährigen Sängerin ist in den USA längst für ihre Kaufkraft bekannt. Mehrere Zeitungen berichteten von einem Wirtschaftsboom in den Staaten durch die im vorigen Jahr gestartete „Eras Tour“, ist auf der Website von „emax digital“ zu lesen. In Gelsenkirchen war ursprünglich nur ein Konzert geplant, doch aufgrund der hohen Nachfrage trat die Musikerin eben zwei weitere Male dort auf. Insgesamt soll allein Taylor Swift laut „Wall Street Journal“ in 2023 und 2024 durch ihre Tour zwischen 300 und 500 Millionen Dollar plus 140 Millionen Dollar aus dem Verkauf von Merchandise und Fanartikeln verdienen. Schätzungen zufolge brachten ihr die Shows in Gelsenkirchen pro Abend rund 13 Millionen Dollar ein, ist auf welt.de zu lesen.
Die jüngste Entwicklung im DIY-Trend der Freundschaftsbänder führt übrigens in die Politik: Seit Taylor Swifts öffentlicher Unterstützung für die US-Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris setzen die Demokraten auf die Erfolgsmethode des Musikstars. Über digitale Anzeigen wird in Anlehnung an Swifts Tournee-Titel mit dem Slogan „We are in our Kamala Era“ geworben. Ab einem Betrag von 20 Dollar für die Wahlkampfkasse „Harris Victory Fund“ gibt es „Harris-Walz“-Armbändchen. Die Bacelets mit den Namen der Amtsanwärterin und ihres Vize-Kandidaten Tim Walz sind mit den Buchstabenperlen im Swift-Style gestaltet und sollen demnächst als Zweier-Set ausgeliefert werden.


