Die während der Pandemie etablierte Arbeit von zu Hause hat sich laut WSI-Forscher Helge Emmler dauerhaft im Erwerbsleben verankert. Für seine Analyse hat er Daten des WSI-Erwerbspersonenpanels ausgewertet, das seit Frühjahr 2020 in 15 Runden zunächst knapp 7700, zuletzt rund 6200 Personen befragt hat. Der erste Lockdown ließ den Anteil reiner Präsenzarbeit demnach von 83 Prozent im Januar 2020 auf 53 Prozent im April 2020 einbrechen. Seit Mitte 2021 arbeiten rund zwei Drittel ausschließlich im Betrieb, etwa jeder Vierte an wechselnden Orten – für diese Gruppe dürften zwei bis drei Homeoffice-Tage pro Woche zur neuen Normalität geworden sein.
Akademiker und Westen liegen vorn
Zuletzt verbrachten 64,5 Prozent der abhängig Beschäftigten ihre Arbeitszeit ausschließlich im Betrieb oder höchstens zu einem Zehntel zu Hause. Zwischen den Qualifikationsgruppen klafft eine Lücke: Bei Akademiker:innen liegt die Quote reiner Präsenzarbeit bei 36,6 Prozent, bei Beschäftigten mit Berufsausbildung bei 69 Prozent. In Ostdeutschland arbeiten 71,2 Prozent ausschließlich vor Ort, im Westen 63,3 Prozent. Beide Differenzen gehen leicht zurück. Nach Branchen stechen Energieversorgung, Medien, Finanzen und öffentliche Verwaltung mit hohen Homeoffice-Anteilen hervor, während Bau, Erziehung, Gastgewerbe, Gesundheit, Handel, Verkehr und Logistik verständlicherweise zurückbleiben.
Ein Großteil der Unterschiede erklärt sich aus der Natur der Tätigkeit. 38 Prozent der Beschäftigten können ihre Aufgaben uneingeschränkt oder überwiegend zu Hause erledigen. Bei Akademiker:innen mit geeigneten Jobs ist der Anteil derjenigen, die mindestens die Hälfte der Arbeitszeit zu Hause verbringen, von 57 auf 52 Prozent gesunken. Emmler wertet das als Hinweis, dass sich zunehmend zwei statt drei Homeoffice-Tage durchsetzen.
Wenn Wunsch und Wirklichkeit auseinanderdriften
Der Auswertung zufolge entsprechen die betrieblichen Regelungen nicht immer den Wünschen der Beschäftigten: Diejenigen, deren Aufgaben sich dafür eignen, würden im Schnitt gern gut die Hälfte ihrer Arbeitszeit zu Hause verbringen, tatsächlich ist es etwas mehr als ein Drittel. Insgesamt möchte ein Viertel den Anteil der Zeit im Homeoffice um 30 Prozentpunkte oder mehr erhöhen, ein Zehntel möchte weniger dort arbeiten. Rund zwei Drittel sind zufrieden oder wünschen sich allenfalls geringfügige Änderungen. Besonders groß ist der Anteil der Unzufriedenen, deren Wünsche stark von der tatsächlichen Situation abweichen, mit 29,4 Prozent bei Beschäftigten, die von Return-to-Office-Initiativen betroffen sind. Bei Beschäftigten mit Kindern ist die Quote mit 28,3 Prozent ebenfalls hoch.
Diese Unzufriedenheit gehe mit gravierenden Belastungen einher, erklärt der Forscher. Und die Folgen seien messbar: Wer sich 20 Wochenstunden oder mehr Homeoffice zusätzlich wünscht, klagt zu 18 Prozent über hohe Arbeitsbelastung und zu 28 Prozent über einen schlechten Gesundheitszustand. Bei Beschäftigten ohne Änderungswunsch sind es nur 6 beziehungsweise 14 Prozent. Auch mit Familienleben, Freizeit und sozialen Kontakten sind Unzufriedene seltener im Reinen.
Dass die Homeoffice-Quoten sich nach Ende der Corona-Pandemie stabilisiert haben, sei grundsätzlich eine gute Nachricht, so Emmlers Fazit. „Denn mobile Arbeit hat sich nicht nur als probate Maßnahme des Infektionsschutzes, sondern als arbeitnehmerfreundliche Unterstützung der Work-Life-Balance und arbeitgeberseitiges Instrument zur Fachkräftesuche erwiesen.“ Er empfiehlt Unternehmen, den Wünschen der Beschäftigten entgegenzukommen, solange keine zwingenden betrieblichen Gründe dagegensprechen. Schließlich würde oft schon ein zusätzlicher Tag Homeoffice-Tag reichen, um diese Wünsche zu erfüllen.







