Künstliche Intelligenz ist im Lehrerzimmer angekommen: 58 Prozent der befragten Lehrkräfte an Sekundarschulen setzen KI für schulische Zwecke ein, 2024 waren es noch 51 Prozent. Zwei Drittel sehen KI laut Bitkom als Chance für die schulische Bildung, 29 Prozent eher als Risiko. Zum Einsatz kommt die Technologie vor allem, um Schülerinnen und Schülern KI selbst zu erklären (44 Prozent) sowie zur Wissensvermittlung im Unterricht (43 Prozent). Ein Viertel nutzt sie zur Unterrichtsvorbereitung, 20 Prozent zur Kontrolle von Aufgaben und Prüfungen.
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst fordert daher, KI-Kompetenzen fest in den Lehrplänen zu verankern. Zugleich fühlen sich 58 Prozent der Lehrkräfte im Umgang mit KI unsicher.
Zweigeteiltes Bild bei Ausstattung und Digitalkompetenz
Bei den digitalen Rahmenbedingungen verläuft laut Bitkom ein klarer Bruch durch die deutschen Schulen. Die technische Ausstattung und Infrastruktur bewertet lediglich rund die Hälfte der Lehrkräfte (48 Prozent) als eher gut oder sehr gut. 49 Prozent halten sie für eher schlecht (27 Prozent) oder sehr schlecht (22 Prozent). Etwas günstiger fällt das Urteil zur Verfügbarkeit digitaler Bildungsmedien aus: 61 Prozent bewerten diese positiv, 35 Prozent negativ. Die digitalen Kompetenzen im eigenen Kollegium schätzen 58 Prozent als gut ein, 39 Prozent als schlecht.
Bei der Weiterbildung hat sich rund die Hälfte (51 Prozent) der Lehrkräfte im Schuljahr 2025/2026 zu digitalen Themen fortgebildet, weitere 43 Prozent zu einem früheren Zeitpunkt. 78 Prozent sprechen sich für verpflichtende regelmäßige Digitalfortbildungen aus.
Schatten-KI: Jede vierte Lehrkraft weicht auf private Accounts aus
Als Symptom dieser lückenhaften Ausstattung lässt sich auch der Umgang mit KI-Zugängen lesen. Der Bitkom-Erhebung zufolge stellt nicht einmal die Hälfte der Schulen ihren Lehrkräften eine KI-Lizenz zur Verfügung. Nur 46 Prozent erhalten einen dienstlichen Account, darunter 6 Prozent, die zusätzlich einen privaten Account für schulische Zwecke nutzen, sowie 1 Prozent, die trotz vorhandener Lizenz ausschließlich privat zugreifen. Weitere 19 Prozent bekommen gar keinen Zugang gestellt und behelfen sich deshalb mit einem eigenen Account. In der Summe greifen damit rund 26 Prozent der Lehrkräfte auch oder ausschließlich auf private KI-Werkzeuge zurück, wenn sie beruflich mit der Technologie arbeiten.
Diese Schatten-KI ist aus Sicht des Digitalverbands ein Hinweis auf ein strukturelles Defizit. „Die Nutzung privater Accounts zeigt: Der Bedarf an leistungsfähigen KI-Lösungen ist groß“, so Wintergerst. Er schlägt einen länderübergreifenden KI-Aktionsplan vor, der eine Liste geprüfter Tools sowie ein jährliches KI-Budget von 15 Euro je Schülerin und Schüler umfasst. Damit sollten Schulen eigenverantwortlich Anwendungen und Weiterbildungen finanzieren können.
Die praktische Nutzung fällt bislang moderat aus: 6 Prozent der Lehrkräfte greifen täglich auf KI zurück, 24 Prozent mindestens wöchentlich, 28 Prozent seltener. 18 Prozent haben KI bisher nicht eingesetzt, sind aber offen dafür. 19 Prozent können sich eine Nutzung nicht vorstellen.
Smartphone-Nutzung und fehlendes WLAN belasten den Schulalltag
Bei den dringendsten Problemen ihrer Schule nennen 83 Prozent der Lehrkräfte eine übermäßige Smartphone-Nutzung durch Schülerinnen und Schüler. 44 Prozent bemängeln eine fehlende Digitalisierungsstrategie, 40 Prozent schlechtes oder fehlendes WLAN – 2024 waren es noch 48 Prozent. 38 Prozent kritisieren die technische Ausstattung insgesamt, 27 Prozent den zu geringen Einsatz digitaler Bildungsmedien. 33 Prozent geben an, der Einsatz digitaler Tools scheitere häufig an fehlenden finanziellen Mitteln. 52 Prozent sagen, die Umsetzung der Digitalisierung hänge an ihrer Schule vom Engagement Einzelner ab.
80 Prozent der Lehrkräfte fühlen sich bei der digitalen Bildung von der Politik nicht ausreichend unterstützt, 83 Prozent sehen deutsche Schulen im internationalen Vergleich abgehängt. Wintergerst fordert die zügige Umsetzung des Digitalpakts 2.0, eine gemeinsame Antragsplattform von Bund und Ländern sowie ein dauerhaftes Finanzierungsmodell in Form eines Sonderbudgets Digitale Bildung. Trotz aller Kritikpunkte überwiegt die positive Grundhaltung: 95 Prozent der Lehrkräfte sehen die Digitalisierung als Chance für die Bildung in Deutschland, 2024 waren es 88 Prozent.







