Insgesamt setzen 58 Prozent der Bundesbürger ab 16 Jahren KI ein. Dabei überwiegt die Chancenperspektive. 69 Prozent sehen KI eher als Chance, 27 Prozent eher als Gefahr. Allerdings nimmt die Skepsis leicht zu. Im Vorjahr waren es noch 74 Prozent beziehungsweise 23 Prozent. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Während bei den 16- bis 29-Jährigen 81 Prozent KI eher als Chance sehen, sind es bei den Über-65-Jährigen nur 58 Prozent. Umgekehrt sehen 37 Prozent der Älteren KI eher als Gefahr, in der jüngsten Altersgruppe sind es nur 17 Prozent.
„Künstliche Intelligenz ist schneller im Alltag angekommen als jede andere Innovation zuvor“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Deutschland muss KI nicht nur nutzen, sondern mitgestalten – und die Skeptiker dabei mitnehmen. Dazu gehört, offen über die Grenzen und Risiken von KI zu diskutieren, zugleich aber auch über die enormen Möglichkeiten der Technologie zu sprechen: zum Beispiel in der Medizin, in der Bildung, in der Forschung.“
KI verändert die Gesellschaft
Der Eindruck, dass KI die Gesellschaft bereits heute verändert, hat im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen. 42 Prozent sagen: „Das tut KI bereits“, im Vorjahr lag der Anteil noch bei 32 Prozent. Weitere elf Prozent rechnen mit einer solchen Veränderung im nächsten Jahr, 23 Prozent in den kommenden zwei bis fünf Jahren. Insgesamt gehen somit drei Viertel der Deutschen (76 Prozent) davon aus, dass KI die Gesellschaft spätestens in fünf Jahren spürbar verändern wird, neun Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Nur zwei Prozent glauben, dass KI die Gesellschaft nie verändern wird.
Elf Prozent der Menschen in Deutschland begegnen der KI dabei ohne jegliche Sorgen, das sind doppelt so viele wie im Vorjahr (5 Prozent). Die große Mehrheit aber teilt eine oder mehrere Befürchtungen in Zusammenhang mit KI. Am weitesten verbreitet ist die Sorge vor der Verbreitung von Falschinformationen mit 50 Prozent. Ebenso viele beklagen zu wenig Regeln und Kontrollen für KI, 49 Prozent sorgen sich, dass KI zu viel Macht bekommt, ein Anstieg um fünf Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. 43 Prozent haben Bedenken, dass ihre persönlichen Daten nicht sicher sind. 42 Prozent empfinden KI als oft undurchsichtig. 41 Prozent befürchten, dass KI falsche Ergebnisse liefert, 27 Prozent haben Angst, durch KI manipuliert zu werden, und 24 Prozent sehen die Gefahr, durch die Nutzung von KI zu verdummen.
Wofür KI im Alltag genutzt wird
Wer keine KI nutzt, tut dies nur selten aus einer grundsätzlichen Ablehnung gegenüber der Technologie heraus. Nur 13 Prozent der Nicht-Nutzenden erklären sich grundsätzlich zu KI-Gegnern. Die meisten verwenden schlicht eingeübte Werkzeuge für die Suche nach Informationen wie etwa die klassische Internetsuche. 44 Prozent fehlt aber das Vertrauen in KI und 36 Prozent brauchen KI nach eigenen Angaben schlicht nicht. Je rund ein Viertel kennt keine passenden Anwendungen (26 Prozent) oder es fehlt nach eigenem Dafürhalten das technische Wissen (22 Prozent). Zehn Prozent sind bislang noch gar nicht auf die Idee gekommen, KI zu nutzen. „KI wird immer häufiger in Standardanwendungen integriert und so auch jene Menschen erreichen, die bislang auf den Einsatz von KI verzichten“, so Wintergerst.
Die wichtigsten Motive für den KI-Einsatz fallen in drei Kategorien. Als Turbo spart KI Zeit, vermeidet Fehler und senkt Kosten. Als Coach hilft sie, komplexe Themen besser zu verstehen, Neues zu lernen und mitreden zu können. Als Sparringspartner liefert sie neue Ideen, verbessert die Qualität der Arbeit und unterstützt Entscheidungen.
So vielfältig wie die Motive sind auch die konkreten Einsatzbereiche von KI, bei denen kein einzelnes Thema dominiert. 54 Prozent der Nutzenden holen sich von der KI Hilfe bei Alltagsfragen, 35 Prozent bei Fragen rund um den Einkauf und 21 Prozent bei Reisevorbereitungen. Die Hälfte nutzt KI, um Texte zu schreiben oder zu verbessern, 41 Prozent für Übersetzungen und 40 Prozent zum Zusammenfassen längerer Texte. Aber auch für persönliche Themen wird KI verwendet. 44 Prozent holen sich Rat zu persönlichen Fragen, 34 Prozent zu gesundheitlichen Themen und 21 Prozent, wenn es um die Finanzen geht. Und 30 Prozent entwickeln mit Hilfe von KI neue Ideen, ebenso viele nutzen KI zum Erstellen kreativer Inhalte wie Bilder oder Musik, 22 Prozent lernen und üben mit KI und zehn Prozent programmieren mit ihrer Unterstützung.
US-Anbieter dominieren den KI-Markt
Bei den verwendeten KI-Diensten spielen US-amerikanische Anbieter eine dominierende Rolle. 71 Prozent der KI-Nutzenden verwenden ChatGPT von OpenAI, 50 Prozent Gemini von Google und 43 Prozent Microsoft Copilot. Meta AI, das direkt in WhatsApp verfügbar ist, kommt auf 35 Prozent Nutzung. Alle übrigen KI-Anwendungen bleiben weit abgeschlagen. DeepSeek nutzen acht Prozent, Perplexity sieben Prozent, Grok von xAI sechs Prozent und Claude von Anthropic fünf Prozent. Das europäische Angebot LeChat von Mistral wird von vier Prozent verwendet. Dabei ist der Wunsch nach mehr digitaler Souveränität in der Bevölkerung sehr ausgeprägt. 72 Prozent der Bundesbürger sehen Deutschland bei KI als zu abhängig von den USA. 67 Prozent würden gerne eine KI aus Deutschland nutzen, 65 Prozent sprechen sich für eine eigene KI aus der Europäischen Union aus. „Europa darf sich bei KI nicht einseitig abhängig machen. Wir brauchen eigene, starke Anbieter für unsere digitale Souveränität“, so Wintergerst.
KI bei der Arbeit: Fast die Hälfte ist dabei
Auch im Berufsleben ist KI angekommen. 48 Prozent der Erwerbstätigen nutzen KI bei der Arbeit. Acht Prozent täglich, 18 Prozent mindestens einmal pro Woche, 22 Prozent seltener. Ebenso viele (48 Prozent) nutzen KI im Job bislang aber überhaupt nicht. Die Einstellungen zu KI am Arbeitsplatz sind dabei gespalten. Für 41 Prozent der Erwerbstätigen hat sich ihre Tätigkeit jetzt schon durch KI verändert. 49 Prozent hätten gerne eine KI als persönlichen Assistenten im Job. Umgekehrt lehnen aber 45 Prozent eine Unterstützung durch KI bei ihrer Arbeit grundsätzlich ab.
„KI kann Arbeit sicherer, besser und effizienter machen“, so Wintergerst. „Teilhabe und Kommunikation sind jetzt das A und O in den Unternehmen. Das Management muss Transparenz herstellen, seine KI-Strategie gut erklären und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so mit KI-Kompetenzen ausstatten, dass sie den Weg in die KI-Zukunft mitgehen und mitgestalten können.“
Viele Unternehmen nehmen ihre Beschäftigten bei der Einführung von KI jedoch noch nicht ausreichend mit. Nur 21 Prozent der Erwerbstätigen haben bereits eine KI-Fortbildung ihres Arbeitgebers genutzt, bei weiteren 13 Prozent gibt es solche Angebote, die sie bisher aber noch nicht wahrgenommen haben. Dagegen gibt es bei 37 Prozent keine KI-Fortbildungen, weitere 24 Prozent wissen es nicht sicher, gehen aber davon aus, dass keine entsprechenden Angebote vorhanden sind.
Vorteile: Tempo, Qualität, Können
Viele Erwerbstätige sehen dennoch heute bereits Vorteile von KI am Arbeitsplatz. Sie erleichtert Routineaufgaben (47 Prozent) und spart Arbeitszeit (47 Prozent), schafft Freiräume für wichtigere Aufgaben (43 Prozent) und ermöglicht schnellere Problemanalysen (41 Prozent). 39 Prozent sehen eine Beschleunigung von Prozessen, ebenso viele eine Verringerung von Fehlern. 26 Prozent nennen geringere Kosten als Vorteil, aus Sicht von je 25 Prozent erhöht KI die eigene Leistungsfähigkeit und steigert die Motivation. 19 Prozent erwarten durch KI Expertenwissen, 17 Prozent generell bessere Arbeitsergebnisse und ebenfalls 17 Prozent eine höhere Kreativität.
Bei den Nachteilen dominieren Fragen zu Verantwortung, Kontrolle und menschlichem Kontakt. 62 Prozent sagen, es sei unklar, wer für Fehler einer KI verantwortlich ist. 59 Prozent kritisieren, dass unklar sei, wohin die verwendeten Daten gehen. 55 Prozent bemängeln weniger menschlichen Kontakt bei der Arbeit.
Weitere Sorgen betreffen Abhängigkeit und Kontrollverlust: 34 Prozent befürchten, sich zu sehr auf KI zu verlassen und dadurch Fähigkeiten zu verlernen. 22 Prozent haben Sorge um den eigenen Arbeitsplatz, ebenso viele fürchten, die Kontrolle über Entscheidungen zu verlieren. 20 Prozent empfinden die Nutzung von KI als zu kompliziert, 19 Prozent fühlen sich durch KI kontrolliert. Ebenso viele finden, dass KI die eigene Arbeit weniger wertvoll macht.







