Künstliche Intelligenz besitzt ein enormes Potenzial für die Gestaltung der Arbeitswelt, doch es wird bislang nur unzureichend ausgeschöpft – so lautet eine der Kernaussagen der GoTo-Untersuchung. Die Vorstellung vom Büro als zentralem Ort der Arbeit wird dem US-amerikanischen Softwareunternehmen zufolge zunehmend infrage gestellt. Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt demnach sogar, dass physische Büros langfristig überflüssig werden könnten, weil KI ortsunabhängiges Arbeiten erleichtere. Besonders Mitarbeitende bevorzugen demnach die Flexibilität, die Remote-Arbeit in Kombination mit KI bietet. Sie versprechen sich davon eine bessere Kundenbetreuung, den Erhalt der Produktivität unabhängig vom Standort und vor allem eine ausgewogenere Work-Life-Balance.
Rasante Entwicklung
„KI entwickelt sich rasant von einem hilfreichen Werkzeug zu einer grundlegenden Kraft, die die Zukunft der Arbeit gestaltet“, sagt Rich Veldran, CEO von GoTo. „Mit zunehmender Reife bauen KI-Technologien Barrieren für flexiblere Arbeitsweisen ab und optimieren gleichzeitig die persönliche Zusammenarbeit dort, wo sie am wirkungsvollsten ist. Die Unternehmen, die KI nicht nur als Tool, sondern als zentralen Bestandteil der Employee Experience verstehen, werden diejenigen sein, die Produktivität, Vernetzung und Zusammenarbeit neu definieren – unabhängig davon, wo gearbeitet wird.“
Schlüssel für die Arbeitswelt der Zukunft
Auch die IT-Führungskräfte sehen in der Technologie einen Schlüssel für die Arbeitswelt der Zukunft. Neun von zehn bestätigen, dass KI die Arbeitsergebnisse verbessert habe, und fast ebenso viele betonen, dass sie den Zugang zu Ressourcen für Remote-Beschäftigte erleichtert. Die Investition in KI wird als mindestens ebenso wichtig angesehen wie die Ausstattung von Büros. Bemerkenswert ist, dass 61 Prozent der Mitarbeitenden glauben, dass Investitionen in KI ihre Motivation und Produktivität stärker steigern würden als klassische Büroannehmlichkeiten („Office Amenities“). Der Grund dafür liegt zumindest für den Software-Spezialisten GoTo auf der Hand: KI-Tools versprächen, anders als ein Wohlfühlbüro, unmittelbare Verbesserungen bei Produktivität, Motivation und Arbeitsqualität.
KI wird in Unternehmen zu häufig als Allheilmittel präsentiert
Die Einschätzung des Einsatzes von KI in Unternehmen zeigt sich widersprüchlich. Einerseits betrachten viele Mitarbeitende die Technologie skeptisch, weil sie deren Nutzen für überbewertet halten.
Während 62 Prozent der Mitarbeitenden angeben, KI sei überbewertet, gestehen gleichzeitig 86 Prozent ein, dass ihr Potenzial ungenutzt bleibe. Die Skepsis richtet sich dabei anscheinend weniger gegen die Technologie an sich als gegen die Art, wie sie in Organisationen eingeführt und angewendet wird. Zahlreiche Befragte weisen darauf hin, dass KI zu häufig als Allheilmittel präsentiert werde und ihre Fehleranfälligkeit unterschätzt werde. IT-Führungskräfte äußern sich in dieser Hinsicht deutlich optimistischer: Weniger als die Hälfte von ihnen teilt die Einschätzung, dass KI überbewertet sei. Diese Diskrepanz lässt sich möglicherweise damit erklären, dass IT-Leiter stärker in Entscheidungsprozesse eingebunden sind und einen Teil ihrer eigenen Arbeit rechtfertigen, wenn es um Investitionen in KI geht.
Ursachen der Nutzungslücke
Ein wesentlicher Grund für die Diskrepanz liegt in der fehlenden Vertrautheit mit praktischen Anwendungen. Über 80 Prozent der Mitarbeitenden fühlen sich unzureichend mit den Möglichkeiten von KI vertraut – ein Problem, das alle Generationen betrifft. Während IT-Führungskräfte glauben, dass ihre Belegschaft bereits besser geschult sei, zeigt sich, dass sie die tatsächliche Unsicherheit oft unterschätzen. Hinzu kommt eine deutliche Vertrauenslücke: Die große Mehrheit der Mitarbeitenden zweifelt an der Zuverlässigkeit der Ergebnisse, wohingegen Führungskräfte die Technologie stärker verteidigen. Auch das Thema Schulung offenbart Brüche, denn fast neun von zehn Mitarbeitenden halten die Ausbildung für unzureichend, während deutlich weniger Führungskräfte dieses Defizit wahrnehmen. Darüber hinaus mangele es an passgenauen Tools, branchenspezifischer Relevanz und klaren Leitlinien. Viele Beschäftigte wissen nicht, welche Aufgaben KI übernehmen kann, oder sie verfügen schlicht nicht über die passenden Werkzeuge. Nur rund 40 Prozent geben an, dass ihr Unternehmen die von ihnen gewünschten KI-Tools bereitstellt.
Produktivitätsverluste versus Kosten
Die Folgen dieser Defizite sind erheblich. Mitarbeitende verlieren demzufolge im Durchschnitt mehr als zwei Stunden pro Tag mit Aufgaben, die von KI erledigt werden könnten – hochgerechnet ein immenser Verlust an Produktivität. Zugleich nutzen mehr als die Hälfte der Beschäftigten KI für sensible Entscheidungen, häufig entgegen internen Richtlinien. Hier zeigt sich, dass Unternehmen vielfach hinter der Realität ihrer Belegschaften zurückbleiben. Weniger als die Hälfte der IT-Verantwortlichen gibt an, dass es bereits formelle Richtlinien für den Einsatz von KI gibt. Gleichzeitig führen Sicherheitsbedenken, Integrationsprobleme und Kosten dazu, dass die Technologie oft nicht in dem Maße eingesetzt wird, wie es möglich wäre. Besonders auffällig ist zudem, dass fast die Hälfte der IT-Führungskräfte einräumt, den tatsächlichen Return on Investment von KI nicht zuverlässig zu messen.








