Paperworld Procurement richtet sich an Einkäufer aus Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen, die Materialien für die eigene Büroversorgung beschaffen. Und für diese Zielgruppe ist auch das Vortragsprogramm am 28. Januar 2019 ausgerichtet. Da fällt Key-Note-Speakerin Kristina zur Mühlen mit ihrem Vortrag "In welcher Zukunft wollt ihr leben? – Unser Umgang mit dem digitalen Wandel" aus dem Rahmen. Bei ihr geht es nicht um Einkaufsoptimierung, sondern die Fernsehjournalistin und Moderatorin möchte das Publikum mit ihren Denkanstößen anregen, Veränderungen als Chance zu begreifen. Umdenken im Arbeitsalltag, das hat sie sich auf die Fahne geschrieben und das Erleben auch die Teilnehmer bei Paperworld Procurement. Wir haben im Vorfeld der Veranstaltung mit Kristina zur Mühlen gesprochen:
Eines Ihrer Hauptthemen ist der digitale Wandel. Weshalb ist Ihnen das Thema wichtig?
Der digitale Wandel fasziniert mich, weil er so rasant ist und uns überall begegnet. Wer hätte vor 10 Jahren gedacht, dass zum Beispiel das Mobiltelefon auch Wasserwaage oder Metermaß sein kann. Beide Apps hab ich gerade erst ausprobiert, als wir das Kinderzimmer renoviert haben. Daran sieht man, wie sehr das Smartphone unsere Art zu leben beeinflusst. Wir benutzen es ja kaum noch zum Telefonieren. Wir erledigen alle möglichen anderen Arbeiten damit, denn es bietet unfassbar viele Anwendungsmöglichkeiten. Es ist wie ein persönlicher Assistent.
Sie nennen das Beispiel Smartphone – ist es für Sie der Inbegriff des digitalen Wandels? Es ist eines der besten Beispiele für den digitalen Wandel, denn das Smartphone beeinflusst uns immer und überall. Das birgt auch Risiken, denn es ist wichtig, diesen Assistenten auch mal beiseite zu legen, ihn auch mal auszuschalten. Ich bemerke das auch an mir selbst, dass es mich Überwindung kostet, das Handy in der Tasche zu lassen und nicht die neusten Mails zu checken. Es hat sich irgendwie eingebürgert, dass es jeder macht. Es ist wie eine Sucht und nur die wenigsten schaffen es, das Handy nicht anzurühren.
Wie sieht es mit der generellen digitalen Datenflut aus? Wie beeinflusst diese uns?
Ich denke, wir sollten uns öfter mal fragen, ob der letzte Post oder das letzte Foto im Netz wirklich notwendig war. Denn wir erzeugen einen unfassbaren Datenmüll. Und der verschwindet nicht in einer hübschen weißen Wolke. Er lagert vielmehr auf unzähligen Servern in den Rechenzentren, die immer größer werden – und wahnsinnig energiehungrig sind. Denn die Server in den Rechenzentren erzeugen Wärme und müssen runtergekühlt werden: 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Hier ist ein Umdenken gefragt: Wir werden gar nicht dran vorbeikommen, zu lernen, sparsamer zu werden – zum Beispiel beim Generieren von neuen Daten.
In Ihrem Vortrag sprechen Sie über das Umdenken. Müssen wir jetzt damit anfangen?
Ja, absolut, denn wenn uns ein Umdenken gelingt – und zwar aus eigener Überzeugung – dann sind wir auf einem guten Weg. Wenn nicht, werden die Preise für Energie und Rohstoffe immens steigen. Da warten gewaltige Herausforderungen auf uns. Aber das Wort Herausforderung schreckt viele ab. Weil sich dahinter auch die Notwendigkeit verbirgt, alte Gewohnheiten über Bord zu werfen. Und wir mögen keine Veränderung. Gerade wir Deutschen sind in dieser Beziehung sehr "speziell": Wir sind die Zögerer, die Skeptiker, die Chef-Bedenkenträger. Wir klammern uns lange an liebgewonnen Dingen und alten Gewohnheiten fest und wollen nicht loslassen – aus Angst, was uns danach erwartet.
Wie sollten wir mit Veränderungen umgehen?
Veränderungen sind Teil unseres Lebens. War es schon immer. Schon vor 2.500 Jahren bemerkte der griechische Philosoph Heraklit: "Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung." Wäre es nicht so, würden wir heute immer noch in der Höhle hocken oder mit Faustkeilen durch die Gegend rennen. Allerdings kommen die Veränderungen heute immer schneller daher. Wir sollten deshalb nicht nur einen Weg finden, wie wir Digitalisierung und Nachhaltigkeit miteinander verbinden können.
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