78 Prozent der Unternehmen beobachten derzeit einen Mangel an IT-Fachkräften. Lediglich 14 Prozent bewerten das Angebot als ausreichend, fünf Prozent sehen ein Überangebot. Mit Blick auf die kommenden Jahre erwarten 76 Prozent, dass sich der IT-Fachkräftemangel weiter verschärfen wird. 15 Prozent rechnen mit einem gleichbleibenden Mangel, acht Prozent mit einer Abnahme. Das zeigt die neue Studie „Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte“ des Digitalverbands Bitkom. „Gut qualifizierte IT-Fachkräfte bleiben auch in der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage gefragt“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.
Vier von zehn IT-Teams setzen KI ein
Künstliche Intelligenz spielt in IT-Abteilungen bereits eine zunehmende Rolle. 42 Prozent der Unternehmen mit IT-Stellen setzen KI in ihrer IT-Abteilung oder bei der Arbeit ihrer IT-Fachkräfte ein. Weitere 36 Prozent planen den Einsatz, 13 Prozent diskutieren ihn. Für sieben Prozent ist KI derzeit kein Thema. Wo KI bereits eingesetzt wird, geschieht dies bislang meist punktuell. 43 Prozent nutzen die Technologie nur vereinzelt, 46 Prozent in einigen und sieben Prozent in fast allen Bereichen.
„KI kann in der IT zu einem echten Produktivitätstreiber werden“, so Wintergerst. „Sie kann Routineaufgaben übernehmen, Prozesse beschleunigen und IT-Fachkräfte entlasten, so dass mehr Zeit für komplexe und strategische Aufgaben bleibt.“
Knapp die Hälfte der Unternehmen mit IT-Stellen erwartet, dass der KI-Einsatz die Nachfrage nach IT-Fachkräften mit entsprechendem Wissen erhöhen wird. 19 Prozent gehen davon auf jeden Fall aus, weitere 30 Prozent eher. 48 Prozent erwarten dagegen keinen zusätzlichen Bedarf.
Bislang kaum Stellenabbau durch KI
Auswirkungen auf die Zahl der IT-Stellen sind bislang gering. Von den Unternehmen, die KI bereits in ihrer IT einsetzen, haben zehn Prozent dadurch vereinzelt Stellen abgebaut. Einen vermehrten Stellenabbau gab es bei keinem der befragten Unternehmen. 85 Prozent haben bislang keine IT-Stellen durch KI gestrichen. Für die Zukunft erwarten 32 Prozent der Unternehmen mit IT-Stellen einen Stellenabbau durch KI. 65 Prozent gehen hingegen nicht davon aus.
„KI ist eine disruptive Technologie. Sie wird Berufsbilder und Tätigkeiten verändern – und auch Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt erzeugen“, erklärt Wintergerst. „KI übernimmt zwar einzelne Aufgaben, gleichzeitig entstehen neue Anforderungen und Tätigkeitsfelder. Ein Abbau an der einen Stelle kann deshalb mit zusätzlichem Bedarf an anderer Stelle einhergehen.“
KI verändert Aufgaben und Kompetenzen
74 Prozent der Unternehmen erwarten, dass die strategische Steuerung und Kontrolle von KI für IT-Fachkräfte an Bedeutung gewinnen. 63 Prozent gehen davon aus, dass KI-Kenntnisse und -Tools künftig in allen IT-Berufen benötigt werden. 61 Prozent rechnen zudem damit, dass IT-Fachkräfte stärker unter Druck stehen werden, sich fortlaufend weiterzubilden. Auch die Aufgabenprofile dürften sich verändern. 61 Prozent erwarten, dass Routineaufgaben zunehmend wegfallen, 55 Prozent sehen dies bei klassischen Einstiegsaufgaben. 38 Prozent rechnen damit, dass KI einzelne IT-Berufe und Berufsbilder weitgehend ersetzt.
Gleichzeitig verbinden Unternehmen mit dem KI-Einsatz auch Chancen. 31 Prozent erwarten eine höhere Produktivität, 30 Prozent eine bessere Qualität der Arbeitsergebnisse. 29 Prozent gehen davon aus, dass Soft Skills für IT-Fachkräfte künftig wichtiger werden als fachliche Kompetenzen.
„KI kann Aufgaben übernehmen, die bislang etwa von Entwicklerinnen und Entwicklern erledigt wurden. Das bedeutet aber nicht, dass IT-Fachkräfte überflüssig werden. KI verändert ihre Aufgaben und die gefragten Kompetenzen – und schafft zugleich neue Tätigkeitsfelder.“
Wissensmanagement wichtigstes Einsatzfeld
Beim konkreten KI-Einsatz stehen Wissensmanagement und interne Informationssuche an erster Stelle. 21 Prozent der Unternehmen setzen hier bereits KI ein. Auch in der IT-Sicherheit gewinnt die Technologie an Bedeutung. Aktuell nutzen drei Prozent der Unternehmen KI in diesem Bereich, 36 Prozent erwägen den Einsatz. Bei der Automatisierung von Routineaufgaben in Datenanalyse und Auswertung setzen neun Prozent KI ein, 27 Prozent prüfen einen Einsatz. Bei Softwaretests und Fehleranalysen nutzen ebenfalls neun Prozent die Technologie.
Unter den Unternehmen mit vakanten IT-Stellen suchen zwölf Prozent Fachkräfte für den Bereich KI. Am häufigsten werden jedoch weiterhin Fachkräfte für IT-Administration und Systembetrieb gesucht (26 Prozent), gefolgt von Softwareentwicklung und -architektur (17 Prozent), Cloud und Infrastruktur (14 Prozent) sowie IT-Sicherheit (11 Prozent).
97 Prozent haben Probleme bei der Stellenbesetzung
Die gesuchten Fachkräfte zu finden, bleibt für die Unternehmen schwierig. 97 Prozent der Unternehmen mit IT-Stellen haben Probleme, diese zu besetzen. 47 Prozent nennen fehlende Deutschkenntnisse als Hürde, 43 Prozent eine zu geringe fachliche Qualifikation. Bei 33 Prozent erfüllen Bewerberinnen und Bewerber die Anforderungen an Kenntnisse neuester Technologien nicht. 31 Prozent erhalten praktisch keine Bewerbungen auf ihre offenen IT-Stellen, 32 Prozent bemängeln fehlende Soft Skills.
„Gerade in der IT verändern sich die gefragten Kompetenzen besonders schnell“, sagt Wintergerst. „Deshalb ist entscheidend, dass Beschäftigte ihr Wissen kontinuierlich weiterentwickeln und Unternehmen die nötige Weiterbildung ermöglichen.“
Weiterbildung bleibt wichtigste Maßnahme
Um ihren IT-Fachkräftebedarf zu decken, setzen Unternehmen auf unterschiedliche Maßnahmen. Jeweils 34 Prozent nutzen Weiterbildungsprogramme beziehungsweise arbeiten mit der Agentur für Arbeit zusammen. 31 Prozent kooperieren mit Universitäten, 28 Prozent betreiben Nachwuchsförderung im IT-Bereich und 22 Prozent arbeiten mit Schulen zusammen.
19 Prozent setzen verstärkt KI ein, um ihren Fachkräftebedarf zu decken. Weitere Maßnahmen sind Programme für ältere Beschäftigte, die Beschäftigung externer IT-Fachkräfte und Angebote für den Quereinstieg.








