Die im Dezember 2025 vorgestellte Studie des Digitalverbands Bitkom ordnet das Verhältnis von Digitalisierung, KI und Nachhaltigkeit in deutschen Unternehmen ein. 84 Prozent der Befragten betrachten Künstliche Intelligenz als Chance für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. 67 Prozent erwarten laut Bitkom, dass KI zur Reduktion von CO2-Emissionen beiträgt, 52 Prozent rechnen mit neuen, klimaschonenden Geschäftsmodellen durch den Einsatz solcher Systeme.
Den Erwartungen stehen jedoch deutliche Vorbehalte gegenüber. 83 Prozent der Befragten halten den hohen Energieverbrauch von KI-Modellen, vor allem in der Entwicklungsphase, für problematisch. 82 Prozent vertreten die Auffassung, Unternehmen sollten Nachhaltigkeit beim Einsatz von KI grundsätzlich mitdenken.
Digitalisierung als strategischer Faktor
Der Bitkom nennt mehrere Anwendungsfelder, in denen KI zu mehr Nachhaltigkeit beitragen kann: die intelligente Steuerung von Gebäuden und Produktionsanlagen, optimierte Logistik sowie präzisere Prognosen von Wetter- und Klimarisiken. Voraussetzung dafür seien laut Verband effiziente KI-Modelle, energetisch optimierte Rechenzentren und die Nutzung von Abwärme.
Über KI hinaus wird Digitalisierung breit mit Nachhaltigkeit verknüpft. 90 Prozent der Unternehmen sehen darin eine Chance für Klimaschutz. Für 57 Prozent haben Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Jahr 2025 an Bedeutung gewonnen. 61 Prozent berichten, dass der Klimawandel bereits heute Auswirkungen auf ihre Geschäftstätigkeit hat, weitere 36 Prozent rechnen damit für die Zukunft.
Strategisch ist das Thema in den meisten Betrieben verankert: 65 Prozent der befragten Unternehmen verfügen über eine Nachhaltigkeitsstrategie, 33 Prozent planen eine. Nur zwei Prozent haben weder eine Strategie noch entsprechende Pläne. Wo eine Strategie existiert, messen 89 Prozent digitalen Technologien eine große oder sehr große Bedeutung bei, so der Bitkom.
Konkrete Maßnahmen im Unternehmensalltag
Viele Unternehmen setzen Nachhaltigkeitsmaßnahmen bereits operativ um. Jeweils 59 Prozent verzichten weitgehend auf Papier oder beschaffen energieeffiziente Hardware. 54 Prozent nutzen Videokonferenzen statt Dienstreisen, 47 Prozent berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien beim Einkauf digitaler Produkte und Dienstleistungen.
Ergänzend setzen 57 Prozent der Unternehmen mindestens eine digitale Maßnahme zur direkten Senkung des Energieverbrauchs ein. Am häufigsten genannt werden intelligente Beleuchtung, smarte Heizungssteuerung, digitale Verbrauchsauswertungen und intelligente Klimatisierung. 78 Prozent sehen grundsätzlich das Potenzial digitaler Technologien, den eigenen Energieverbrauch deutlich zu reduzieren.
Wo entsprechende Lösungen fehlen, verweist die Studie vor allem auf finanzielle Restriktionen, eingeschränkte Investitionsmöglichkeiten in gemieteten Gebäuden und hohe administrative Aufwände als zentrale Hemmnisse.
Refurbished-IT bleibt zurückhaltend genutzt
Einen eigenen Schwerpunkt setzt die Erhebung beim Einsatz aufbereiteter IT-Geräte. 60 Prozent der Unternehmen haben Refurbished-IT bisher nicht in Erwägung gezogen oder noch nicht darüber nachgedacht. 21 Prozent ziehen den Einsatz in Betracht, nutzen solche Geräte aktuell aber nicht. Nur ein kleinerer Teil setzt sie bereits ein.
Die Befragten benennen klare Bedingungen, unter denen Refurbished-IT für sie attraktiver würde: 82 Prozent fordern ausreichend lange Gewährleistungen oder Garantien, 80 Prozent eine längerfristige Versorgung mit Software-Updates. 70 Prozent nennen steuerliche oder finanzielle Vorteile als möglichen Anreiz. 76 Prozent sind überzeugt, dass Refurbished-IT einen wichtigen Beitrag zur Einsparung von Ressourcen und Rohstoffen leisten kann.
Forderungen an die Politik
Die Studie dokumentiert deutliche Erwartungen an die politischen Rahmenbedingungen. An erster Stelle steht der Abbau bürokratischer und regulatorischer Vorgaben mit 92 Prozent, gefolgt vom Ausbau erneuerbarer Energien mit 89 Prozent. 72 Prozent der Unternehmen wünschen sich finanzielle Anreize für Investitionen in digitale Nachhaltigkeitstechnologien, 71 Prozent mehr Informations- und Beratungsangebote.
Insgesamt verbinden Unternehmen mit Digitalisierung und KI hohe Erwartungen an Klimaschutz und Ressourceneffizienz, benennen laut Bitkom aber zugleich präzise Voraussetzungen und Hürden für die praktische Umsetzung.







