Viele haben Kapazitäten abgebaut und die Profitabilität gesteigert – die Markteinschätzungen fallen daher verhalten positiv aus. Zum Verbrauch von Büropapieren in Deutschland gibt es keine exakten statistischen Erhebungen. Der Verband der deutschen Papierfabriken VDP beispielsweise addiert die gemeldeten Produktionsmengen seiner Mitglieder, dort vermischen sich dann Büropapiere mit weiteren Papiersorten.
Die Hersteller, die im Bereich Büropapiere in Europa aktiv sind, geben jedoch ihre Markteinschätzungen in den aktuellen Geschäftsberichten wieder. Hier zeigt sich: Zwar bestätigen alle Hersteller eine leicht sinkende Nachfrage nach Büropapieren, die Umsätze liegen aber dennoch auf hohem Niveau. Bislang zumindest scheint die Digitalisierung der Arbeitsprozesse das Papier im Büro noch nicht überflüssig zu machen.
Einer der größten Hersteller von Büropapieren in Europa ist The Navigator Company: Das Unternehmen mit Sitz in Portugal hat im zurückliegenden Jahr einen Umsatz von 1,577 Milliarden Euro erwirtschaftet, ein Minus von 3,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. The Navigator Company ist der Hersteller der Markenpapiere Navigator, Inacopia und Discovery. Nach Schätzungen des Produzenten ist im vergangenen Jahr die Nachfrage nach Büropapieren in Europa um 3,8 Prozent unter dem des Vorjahres geblieben.
2016 habe sich das Marktumfeld für den Bereich ungestrichene Feinpapiere (hierzu gehören die Büropapiere) in Europa verschlechtert. Verantwortlich dafür: die sinkende Nachfrage und Importe aus Asien. Die Importmengen nach Europa sind demnach im Jahr 2016 um mehr als 18 Prozent gestiegen, zugleich ist der durchschnittliche Preis 1,2 Prozent unter dem des Vorjahres gefallen.
The Navigator Company hat der Preisverfall sogar noch stärker getroffen: Wie das Unternehmen mitteilte, lag der erzielte durchschnittliche Verkaufspreis im Unternehmen sogar 2,4 Prozent unter dem des Vorjahres. Ungeachtet des schwierigen Marktumfelds sei es Navigator dennoch 2016 gelungen, die verkaufte Papiermenge zu steigern – und gute operative Ergebnisse zu erzielen.
Nachfrageschwankungen – Preisanstieg zu Jahresbeginn
Der Papierhersteller Mondi mit Produktion in Österreich schätzt den Papiermarkt ebenfalls als schwierig ein. In Europa habe sich die Nachfrage nach ungestrichenen Papieren um drei bis vier Prozent verringert, heißt es im Jahresbericht. David Hathorn, CEO der Mondi Group, nennt zwar insgesamt den Ausblick für die Geschäftsfelder der Gruppe "positiv". Doch gerade im Bereich ungestrichene Feinpapiere erwarte Mondi ein zunehmend herausforderndes Marktumfeld in einigen Ländern – bedingt durch eine "Preiserosion" in Europa über das vergangene Jahr hinweg.
Noch zum Jahresbeginn 2016 hatte der Hersteller seine Preiserhöhung umsetzen können, aber schon zu Beginn des zweiten Halbjahres seien die Verkaufspreise aufgrund der schwachen Nachfrage und aufgrund von Importen wieder unter Druck geraten – das habe im Übrigen die Bemühungen im Vorjahr zunichte gemacht: Damals hatte ein Abbau von Kapazitäten in der Papierindustrie für eine vorübergehende Entlastung gesorgt.
Zum Jahreswechsel und zu Beginn des neuen Jahres 2017 hat die Nachfrage nach Angaben von Mondi wieder angezogen. Im Durchschnitt aller Produktgruppen im Sortiment der ungestrichenen Feinpapiere sei der Preis wieder um fünf bis sieben Prozent gestiegen. Mondi konnte den Umsatz seines Geschäftsbereichs "Uncoated Fine Paper" um ein Prozent steigern und das zugrundeliegende Betriebsergebnis, das EBITDA, sogar um 18 Prozent verbessern. Mondi produziert unter anderem die Marken Color Copy und Maestro.
Auch International Paper, der Hersteller der HP-Büropapiere, hat für das abgeschlossene Geschäftsjahr Rückgänge bei Umsatz und Gewinn gemeldet. Beim Konzern mit Hauptsitz in den USA ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent auf 22,4 Milliarden Dollar zurück, der Nettogewinn reduzierte sich im Jahresvergleich um 3,6 Prozent auf 904 Millionen Dollar. Dabei spielten der Verkauf des Joint-Venture, der Verkauf des asiatischen Wellpappengeschäfts und eines Teils des US-Kartonagengeschäfts eine ausschlaggebende Rolle, begründete der Konzern die Rückgänge.
Die Wachstumsimpulse aus dem Geschäft mit Verpackungen – über viele Jahre ein Umsatztreiber – waren 2016 deutlich schwächer als im Vorjahr, hingegen konnte International Paper sein Geschäft mit Druck-Papieren stabilisieren, ja erzielte in diesem Bereich sogar leichtes Wachstum. Mark Sutton, Chairman und CEO bei International Paper, betonte, er rechne aufgrund eines sich verbessernden ökonomischen Umfelds und mehrerer positiver Einflüsse mit einer verbesserten Profitabilität des Geschäfts in diesem Jahr. Die Verbesserung der Margen solle weiterhin im Fokus stehen.

Beharrungskräfte sind groß
In einer Präsentation für Investoren aus dem März beziffert der finnische Papierhersteller UPM (unter anderem Hersteller der Papiermarke Yes) die Nachfrage nach Papieren für den Einsatz im Büro und für zu Hause auf rund sechs Millionen Tonnen in Europa (bezogen auf 2015). Ausgerechnet dieser Bereich des Papierbedarfs sei trotz aller strukturellen Veränderungen, trotz der Digitalisierung am stabilsten geblieben, stellt der Papierhersteller im Vergleich mit Papieren für Magazin- oder Zeitungsdruck fest. Was die Nachfrage nach Büropapieren betrifft, seien die Beharrungskräfte groß: persönliche Präferenzen (Lese- und Lerngewohnheiten), rechtliche Bestimmungen zur Archivierung von Dokumenten und fehlende übergreifende Standards hätten die Effekte der digitalen Alternativen zu Gedrucktem abgemildert, begründet UPM das relativ stabile Geschäft in diesem Bereich.
Der finnische Konzern, mit Produktion im niedersächischen Dörpen, befindet sich im Wandel: Innerhalb der vergangenen acht Jahre ist der Umsatzanteil, der mit Papieren erwirtschaftet wird, von knapp achtzig auf rund die Hälfte geschrumpft. Alternative Geschäftsbereiche wie Energie, Zellstoff, Sperrholz, Biokraftstoffe, Bioverbundstoffe, Etiketten oder Spezialpapiere machen beim Hersteller mit Hauptsitz in Finnland einen immer größeren Umsatzanteil aus. Dennoch: Die Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz haben sich ausgezahlt – das Papiergeschäft hat im zurückliegenden Geschäftsjahr erneut einen starken operativen Cash Flow generiert, mehr als 500 Millionen Euro. Der Gesamtumsatz des Konzerns beträgt mehr als zehn Milliarden Euro.








