Die meisten Menschen gehen davon aus, dass papierlose Kommunikation automatisch nachhaltiger ist. Auf den ersten Blick erscheint es logisch, dass jedes eingesparte Blatt Papier vermeintlich Klima und Ressourcen schont. Doch in der Realität entstehen die ökologischen Auswirkungen durch den Umstieg auf digitale Alternativen nur an anderer Stelle. Sie sind außerhalb der eigenen Wahrnehmung und werden deshalb häufig unterschätzt oder schlicht nicht mitgedacht.
Der ökologische Fußabdruck digitaler Medien bleibt unsichtbar
Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands zeigt, dass nur vier Prozent der Befragten ihren digitalen CO2-Fußabdruck kennen. Einige Beispiele: Allein bei der Herstellung eines Smartphones entstehen rund 60 Kilogramm CO2 – bei einem Laptop bis zu 300 Kilogramm. Der Versand einer E-Mail verursacht zwischen 0,03 und 50 Gramm CO2-Emissionen. Auch im direkten Vergleich kam eine LCA-Studie des Öko-Instituts kürzlich zu dem Ergebnis, dass Printwerbung einen geringeren CO2-Fußabdruck hat als Online-Prospekte und Werbebanner.
Hinzu kommen noch viele weitere Aspekte wie Ressourcenverbrauch – z.B. seltene Erden – und die häufig kritische Entsorgung von Altgeräten. Die Bewertung der tatsächlichen ökologischen Effekte von Papier und digitalen Medien hängt im Einzelfall vom Nutzungsverhalten ab und ist nicht immer eindeutig. Umso wichtiger ist es, einen weiteren wichtigen Faktor zu berücksichtigen: Nachhaltigkeit in der Wirkung.
Papier und digitale Medien wirken anders
Welche Kommunikation nachhaltiger ist, bemisst sich nicht allein am ökologischen Fußabdruck des gewählten Mediums. Sie hängt auch davon ab, ob es die gewünschte Wirkung erzielt und den Zweck optimal erfüllt. Hier gibt es entscheidende Unterschiede zwischen Papier und digitalen Medien.
Ein aktuelles Beispiel aus dem Handel macht diese Unterschiede deutlich: Wissenschaftler untersuchten das Kaufverhalten von Haushalten in einer Provinz in den Niederlanden, nachdem ein großer Einzelhändler dort die Auslieferung gedruckter Werbeprospekte einstellte. Die Anzahl der Einkäufe und Höhe der Ausgaben ging deutlich zurück – selbst bei jenen, die aktiv auf digitale Prospekte umgestiegen waren. Erst nach Wiedereinführung der gedruckten Ausgaben erholte sich das Kaufverhalten.
Auch die Leseforschung kommt immer wieder zu der Erkenntnis, dass Papier kognitive Vorteile mit sich bringt. Insbesondere längere Texte verstehen Menschen auf Papier besser als am Bildschirm. Man spricht auch vom „Screen Inferiority Effect“: Das Lesen am Bildschirm ist weniger effektiv, um Informationen aufzunehmen und zu behalten. Es verleitet zu Oberflächlichkeit und Ablenkungen. Papier hingegen fördert mit seiner räumlichen Begrenzung die Konzentration und Gedächtnisleistung, da unser Gehirn physische Medien anders verarbeitet. Gleiches gilt für das Schreiben auf Papier. Mit seiner Optik und Haptik kann Papier zudem eine besonders hohe Wertigkeit transportieren. Und nicht zuletzt sind Informationen auf Papier weniger anfällig für Manipulation oder Cyberangriffe. Eine Umfrage von Title Media zum Medienverhalten kam jüngst zu dem Ergebnis: Für 59 Prozent der Befragten ist Print das vertrauenswürdigste Medium und 53 Prozent schätzen Printmedien als Ausweg aus der digitalen Reizüberflutung.
Wenn Papier, dann Recyclingpapier mit dem Blauen Engel
Papier ist ein Kulturgut, das die Menschen seit über 2000 Jahren kennen und schätzen. Der Two Sides Trend Tracker Report 2025 bestätigt, dass es auch weiterhin beliebt bleibt: Von Büchern, Zeitschriften und Katalogen über medizinische Unterlagen, Rechnungen und Kontoauszüge bis hin zu Nachrichten setzen viele Menschen lieber auf Print. Entscheidend ist, mit Papier und digitalen Medien bewusst und zielgerichtet umzugehen. Und überall dort, wo Papier aus guten Gründen zum Einsatz kommt, auf das nachhaltigste zu setzen: Recyclingpapier mit dem Blauen Engel spart im Vergleich zu Frischfaserpapier 78 Prozent Wasser, 68 Prozent Energie und 15 Prozent CO2-Emissionen. Das macht es zu einem Erfolgsmodell für nachhaltiges Handeln und Paradebeispiel für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft.










