Aus Sicht von TCO Certified braucht es dafür einen breiteren Blick auf den gesamten Lebenszyklus. Geräte sollten so konzipiert und gemanagt werden, dass sie repariert, wiederverwendet, aufgearbeitet und schließlich recycelt werden können. Ein vollständig geschlossener Kreislauf sei zwar noch nicht erreicht, jede verlängerte Nutzungsphase gelte jedoch als Fortschritt. Um diesen Wandel zu fördern, entwickelt TCO Certified seine verpflichtenden Circularity-Kriterien laufend weiter.
Die aktuelle Generation soll eine unterstützte Produktlebensdauer von mindestens fünf Jahren ermöglichen – etwa durch ein mindestens fünf Jahre verfügbares Garantieangebot sowie kostenfreie Sicherheits- und Korrekturupdates. Bis 2033 soll dieser Zeitraum nach Angaben von TCO Certified auf zehn Jahre steigen. Ein wichtiges Instrument ist dabei der Reparierbarkeits-index von TCO Certified, der für Notebooks, Tablets und Smartphones im Product Finder verfügbar ist. Er soll zeigen, wie leicht sich ein Gerät reparieren lässt. Anders als bei vergleichbaren Ansätzen basiert die Bewertung laut TCO Certified auf unabhängiger Prüfung und nicht allein auf Herstellerangaben.
Digitale Produktpässe kommen 2027
Auch mit Blick auf die ab 2027 erwarteten Digital Product Passports sieht TCO Certified Handlungsbedarf. Die digitalen Produktpässe sollen Informationen zu Materialien, Komponenten, Reparaturanleitungen, Ersatzteilen und Entsorgung bündeln. Deshalb gehört eine eindeutige Produktkennzeichnung bereits heute zu den Anforderungen der aktuellen Zertifizierung.
Als besonders dringlich bezeichnet TCO Certified zudem das Thema Elektroschrott. E-Waste gilt als der weltweit am schnellsten wachsende Abfallstrom, während bislang nur ein kleiner Teil dokumentiert recycelt wird. TCO Certified reagiert darauf mit strengeren Anforderungen an Rücknahmesysteme sowie an die Zusammenarbeit mit seriösen Recyclern und Refurbishern. Ziel ist es, Produkten möglichst zunächst ein zweites Leben zu geben, bevor sie recycelt werden.
Darüber hinaus umfassen die Circularity-Kriterien weitere Anforderungen: Produkte sollen Haltbarkeitstests bestehen, Batterien austauschbar und langlebig sein, Servicehandbücher frei verfügbar sein und Software zur sicheren Datenlöschung kostenfrei bereitstehen.
Der Beitrag von TCO Certified zeigt damit, dass Kreislaufwirtschaft in der IT nicht nur eine Frage des Produktdesigns ist. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Transparenz und Rückführung über den gesamten Lebenszyklus hinweg.
TCO Certified veröffentlicht Leitfaden zur IT-Lieferkette
Mit „The supply chain of IT products“ hat TCO Certified im Februar 2026 einen neuen Leitfaden vorgestellt, der die sozialen und ökologischen Herausforderungen entlang der IT-Lieferkette in den Fokus rückt. Die Publikation zeigt, dass nachhaltige IT-Beschaffung weit über die Auswahl einzelner Produkte hinausgeht und bereits bei der Rohstoffgewinnung beginnt. Thematisiert werden unter anderem problematische Arbeitsbedingungen, Gesundheits- und Sicherheitsrisiken, Zwangsarbeit sowie Umweltbelastungen in verschiedenen Stufen der Lieferkette. Zugleich weist der Guide darauf hin, dass viele zentrale IT-Rohstoffe aus Regionen stammen, die von Konflikten, Ausbeutung und Umweltzerstörung geprägt sind. Der Leitfaden richtet sich an IT-Einkäufer, Hersteller und Nachhaltigkeitsverantwortliche und versteht sich als praxisnahe Orientierung für eine verantwortungsvollere Beschaffung. Behandelt werden unter anderem der Aufbau einer nachhaltigeren Lieferkette bis 2033, Instrumente zur Beschleunigung von Fortschritten, der Umgang mit Risiken moderner Sklaverei sowie die Lieferkettenkriterien von TCO Certified.
Der Leitfaden steht nach Registrierung zum kostenlosen Download bereit: https://tcocertified.com/news/new-guide-the-supply-chain-of-it-products/









