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Startseite » Praxis » Die „menschlichen Kosten“ der digitalen Transformation
Der Studie zufolge scheitert die digitale Transformation in vielen Fällen nicht an der Technologie selbst, sondern an unzureichendem Change Management und mangelnder Einbindung der Mitarbeitenden.
Bild: Moon Safari/iStock /Getty Images Plus

Technostress und Quiet Cracking

Die „menschlichen Kosten“ der digitalen Transformation

Kalender Icon27. November 2025
Autor IconRedaktion

Digitale Transformation ist für viele Unternehmen ein zentraler Hebel zur Effizienzsteigerung und Modernisierung. Doch sie hat oft auch psychologische Nebenwirkungen. Eine aktuelle Studie mit dem Titel „The ‘Human’ Cost of Digital Transformation 2025“, durchgeführt vom Technologie- und Beratungsunternehmen Adaptavist, beleuchtet die Auswirkungen auf das Wohlbefinden von Mitarbeitenden – und identifiziert dabei zwei Schlüsselphänomene: Technostress und das sogenannte „Quiet Cracking“.

Während der Begriff „Quiet Quitting“ – also das bewusste Erfüllen nur der notwendigsten Arbeitsanforderungen – bereits eine gewisse Bekanntheit erlangt hat, führt der Bericht mit „Quiet Cracking“ ein bislang wenig beachtetes Phänomen ein. Die Autoren umschreiben damit ein schleichendes Gefühl der Unzufriedenheit im beruflichen Alltag, das häufig zu Leistungsabfall, innerer Distanzierung und einem zunehmenden Wunsch nach Kündigung führt.

Laut der Untersuchung gaben 47 Prozent der befragten Wissensarbeitenden an, in den vergangenen zwölf Monaten eine Veränderung ihrer Leistungsfähigkeit oder Konzentration festgestellt zu haben – eines der zentralen Symptome von „Quiet Cracking“. Weitere Anzeichen seien sinkendes Selbstvertrauen, abnehmende Motivation, emotionaler Rückzug, mangelnde Perspektive im Beruf sowie zunehmende Sorgen um die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes.

Ein entscheidender Faktor dafür sei eine mangelnde Einbindung in die Unternehmensstrategie. Drei Viertel der Befragten wissen nicht immer, warum sie bestimmte Aufgaben erledigen. Wer keinen Sinn in seiner Tätigkeit sieht, ist der Studie zufolge fast doppelt so häufig unmotiviert wie jene mit klarem Rollenverständnis – und reagiert empfindlicher auf technologiebedingten Stress. Im Zuge der digitalen Transformation setzen viele Unternehmen auf moderne Technologien, um Prozesse effizienter zu gestalten und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Zwar geben 71 Prozent der Befragten an, dass Technologien in ihrem Arbeitsumfeld durchdacht eingeführt werden, doch umgekehrt berichten auch 64 Prozent davon, dass sich die zunehmende Technologisierung im vergangenen Jahr negativ auf ihr Leben ausgewirkt hat. 27 Prozent fühlen sich häufig oder dauerhaft durch digitale Informationsflut überfordert, während 43 Prozent angeben, dass Benachrichtigungen und die parallele Nutzung zahlreicher Plattformen bei ihnen Stress und Angst hervorrufen.

Die englischsprachige Studie steht zum Download zur Verfügung
„Technostress“ kann Mitarbeitende überfordern

Diese Zahlen verweisen auf den zunehmenden „Technostress“. Er entsteht, wenn sich Beschäftigte durch permanente Erreichbarkeit, den Druck zur Einarbeitung in neue Tools sowie durch die Informationsflut überfordert fühlen. Die Auswirkungen reichen von psychischer Erschöpfung über krankheitsbedingte Fehlzeiten bis hin zu Kündigungen. Laut Studie haben 23 Prozent der Wissensarbeitenden aufgrund solcher Belastungen aktiv nach einem neuen Arbeitsplatz gesucht. Fünf Prozent haben ihren Arbeitsplatz tatsächlich verlassen. Hochgerechnet auf die eine geschätzte Zahl von einer Milliarde Wissensarbeitenden weltweit ergibt sich daraus eine potenzielle Zahl von bis zu fünf Millionen Kündigungen im vergangenen Jahr.

Die Untersuchung beschreibt jedoch auch eine positive Perspektive: Zufriedene Mitarbeitende berichten davon, dass Technologie bessere Zusammenarbeit, größere Autonomie in der Aufgabenerfüllung und mehr berufliche Erfolge ermöglicht. Diese Gruppe beschreibt ihre Arbeitsumgebung als „energetisiert und motivierend“. 93 Prozent dieser Beschäftigten – im Vergleich zu 79 Prozent im weltweiten Durchschnitt – geben an, dass sie selbst oder ihre Kolleginnen und Kollegen Technologien effektiv in die Zusammenarbeit integriert haben. Hier zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen positiver Unternehmenskultur und einer förderlichen Nutzung digitaler Technologien.

Diese „Freude an Technologie“ sei insbesondere in Arbeitsumfeldern erlebbar, in denen sich Mitarbeitende sicher fühlen, um Hilfe zu bitten, in denen ein kontinuierlicher Austausch zwischen Führungsebene und Belegschaft stattfindet und in denen strategische Unternehmensziele klar bis auf Teamebene kommuniziert werden. Solche Rahmenbedingungen könnten der Studie zufolge dazu beitragen, dass Mitarbeitende ihre Aufgaben als sinnvoll empfinden und sich stärker mit ihrer Arbeit identifizieren. Interessant ist dabei, dass nur 18 Prozent der Befragten eine Reduzierung der eingesetzten Tools als vorrangige Maßnahme betrachten. Wesentlich wichtiger erscheinen ausreichende Schulungen, technischer Support und der Zugang zu relevanten Ressourcen.

Abschließend heben die Studienautoren hervor, dass die digitale Transformation in vielen Fällen nicht an der Technologie selbst scheitert, sondern an unzureichendem Change Management und mangelnder Einbindung der Mitarbeitenden.

Die Studie steht Ihnen als englischsprachige Version hier als Download zur Verfügung.

www.adaptavist.com

Themen:Digitalisierung | New Work

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